Das Trauerspiel im Rosengässchen.

– HOLLAND. –

Jüdische Liebe. – Purim. – Handel.

Das Rosengässchen der kleinen holländischen Stadt Waarnam verdankte seinen Namen wohl einer Ironie des Schicksals. Man fand hier eher jeden anderen Geruch als den einer Rosenflur. Das Gässchen war so eng, dass man sich aus den gegenüberliegenden Häusern beinahe die Hände reichen konnte, und alle die alten Häuser waren so hoch, dass kein Sonnenstrahl in die Strassen drang. Zu beiden Seiten gab es nur kleine, düstere Gewölbe, in denen alles Erdenkliche verkauft wurde, und die Waaren breiteten sich bis in die Gasse hinein aus. Alle diese Ballen und Tonnen erfüllten die Luft mit einem abscheulichen Geruch von Feuchtigkeit und Moder, von Fett, Heringen, Fischen, Leder und Fellen.

Seit hundert Jahren waren hier zwei kleine Geschäfte eines dem anderen gegenüber. In jedem handelte man mit denselben Waaren, mit Stoffen aller Art, und so war es begreiflich, dass die beiden Familien sich niemals sonderlich liebten. Doch seit einiger Zeit war der Neid und die Eifersucht der beiden Kaufleute Joseph van Markus und Abraham Honigmann in Hass und Feindschaft ausgeartet.

Bei Beiden sah man so recht den Unterschied der Sabbathseele und der Wochenseele.