Bienenfeld sendete sofort eine Depesche an Abner, und als der Abendstern die tröstliche Botschaft brachte, dass der »lange Tag« zu Ende sei, dass Gott sich mit dem Volke Israel versöhnt habe, trat er mit Abner in Mathele's Stübchen.

»Nun, Mathele,« rief Bienenfeld lachend, »willst Du auf der Stelle gesund werden?«

»Du willst nicht?« fuhr der Arzt fort, »warte nur, ich will Dir schon eine Medizin verschreiben, die sofort hilft, und die Du gerne nehmen wirst.«

Er setzte sich an den kleinen Schreibtisch, an dem sonst Mathele ihre Briefe an Abner und ihr wehmüthiges Tagebuch geschrieben hatte, und warf auf einen Streifen Papier ein Rezept hin: »da!«

Mathele las: »Recipe den Abner Barach von früh bis abends Dein ganzes Leben lang.« Jetzt lächelte sie wieder, aber nicht mehr schmerzlich, sondern froh und glücklich.

»Er soll Dein Mann werden«, rief Teller Herschmann, »aber nur, wenn er Dich retten kann.«

»Siehst Du, dass Du gesund werden musst«, fügte Bienenfeld hinzu, »willst Du also, oder bleibst Du halsstarrig, Du ungerathenes Kind?«

»Oh! ich bin schon gesund«, flüsterte Mathele und blickte so selig auf Abner, der vor ihr kniete und ihre Hände küsste. Und sie wurde wirklich gesund, Dank der Kunst der beiden Aerzte und Dank jener süssen, alles heilenden Arznei der Liebe, welche den Balsam des Lebens in todtkranke Herzen träufelt.

Als es wieder Frühling wurde, blühte das holde Mädchen mit den Blumen um die Wette auf, und ehe es Sommer ward, war sie Abner's Frau und baute sich ihr kleines, liebes Nest in Budapest, mitten unter seinen Skeletten, Spirituspräparaten und Instrumenten.