Aber dem Tage des Triumphes folgte ein Tag der Niederlage für den armen Mebus Kohn.
Seine geliebte Perle erkrankte und diesmal half weder das Gelöbniss der Busse, noch das Gebet, noch der Talmud. Das liebliche Kind welkte dahin, und Mebus war der Verzweiflung nahe, als er sich endlich entschloss, den Arzt zu berufen.
Er kam vollständig gebrochen zu Pfeffermann, wie ein besiegter König des Orients, der seinem Gegner den Nacken darbietet, damit er den Fuss auf ihn setzen kann.
Doch Pfeffermann zeigte sich edel. Er verrieth mit keiner Miene die Genugthuung, die er empfand, er begab sich, ohne viele Worte zu verlieren, zu der Kranken, untersuchte sie gewissenhaft, verordnete was nöthig war und sendete dann seine Schwester, welche mit allem Eifer und aller Liebe die Pflege übernahm.
Der junge Arzt kam täglich zweimal und manchmal brachte er sogar die Nacht bei der Kranken zu. Wenn er dann an dem bescheidenen Bett sass, in dem das Mädchen, die Wangen von der Fiebergluth geröthet, fast theilnahmslos lag, wenn er mit einer Unruhe, die ihm sonst fremd war, die Körperwärme mit dem Thermometer mass, wenn er bei jedem Symptom, das ihm ungünstig schien, fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog, da sagte er sich wohl, dass er hier, auch um seinetwillen um ein Leben ringe, das ihm lieb, das ihm theuer war, und dann, als der schwere Sieg errungen war, als allmählig das Bewusstsein, die Kräfte wiederkehrten, welche innige, namenlose Freude empfand er, wenn er eintrat, wenn die schwarzen Augen Perle's ihn schon von Weitem grüssten.
Schon konnte das liebliche Mädchen die Stube verlassen und im Gärtchen in der sonnigen Laube sitzen, und der Doktor kam noch immer.
»Ich kann mir nicht vorstellen«, sagte Perle eines Tages mit einem holden Lächeln, »dass Sie nicht mehr kommen sollten. Ich möchte –«, sie hielt inne und blickte zu Boden.
»Was möchten Sie, einzige Perle?«
»Ich möchte immer krank sein, damit Sie immer kommen.«