Die Iliade von Pultoff.

– RUSSLAND. –

Der Zadik. – Theologischer Streit. – Hairem. – Ein Wunder.

Bendavid Kaftan und Mordahil Grünspan waren Nachbarn. Beide waren Kaufleute und verkehrten in Freundschaft zusammen, ebenso wie ihre Frauen, Vögele und Veigele.

Da aber nichts in der Welt Bestand hat, so kam eines Tages ein Ereigniss, das sie veruneinigte und verfeindete.

Bendavid und Mordahil reisten zusammen zu der grossen Messe nach Novgorod. Bendavid dachte im Sinne des Talmud: »Wer sein Weib liebt wie sich selbst, und sie noch mehr ehrt als sich selbst, dessen Zelt ist der Friede.«

Beim Abschied gab er Vögele eine grosse Summe Geldes und bat sie, sich während seiner Abwesenheit nichts abgehen zu lassen, ja sich alles zu gestatten, wonach ihr Herz begehren würde. Mordahil folgte seinem Beispiel und gab Veigele eine gleiche Summe.

Als nun die beiden Männer von Novgorod heimkehrten, da empfing Veigele ihren Gatten mit einem grossen Sack voll Geldes in der Hand. Sie hatte gespart und glaubte Mordahil eine grosse Freude zu bereiten, aber dieser sah ihre bleichen Wangen, er sah, dass sie mager geworden war, dass sie schlecht und unsauber angezogen war und verbarg mit Mühe seinen Aerger.

Dagegen hatte Vögele keinen Rubel erspart, aber sie stand auf der Schwelle ihres Hauses, schön wie ein Leben, ein Häubchen mit rothen Bändern auf dem schwarzen Haar, Hals und Arme mit Juwelen bedeckt, die mit ihren schönen Augen um die Wette funkelten, den üppigen Leib in eine prächtige Pelzjacke geschmiegt. Und schöner als alles war ihr Lächeln.