Ihr Mann war glücklich, sie so zu sehen, er zog sie an sein Herz und fragte wenig darnach, ob sie etwas gespart habe oder nicht. Wusste er doch, dass sie sich für ihn gepflegt, für ihn geschmückt hatte. »Endlos ist die Bosheit des bösen, endlos die Güte des guten Weibes«, rief er, den Midrasch zitirend, während Mordahil seine Frau kaum eines Blickes würdigte.
Veigele setzte sich in einen Winkel und weinte, während Vögele die Hände auf die Schultern ihres Mannes legte und ihn schalkhaft anlächelte.
»Was hast Du?« fragte Bendavid.
»Weisst Du, welchen Rath der Talmud der Frau ertheilt?« sagte sie.
»Nun?«
»Er lässt die Mutter zu ihr sprechen: Meine Tochter, stehe vor dem Gatten wie vor einem Könige und diene ihm, indem Du ihm dienst, machst Du ihn zu Deinem Sklaven und wirst seine Herrin.«
»Und Du meinst, dass ich schon ganz und gar Dein Sklave bin?« rief Bendavid lachend.
Vögele nickte und schloss ihm den Mund mit ihren duftigen Lippen.
Sie verstand es aber nicht nur, ihren schönen Leib für ihren Gatten zu schmücken, sondern auch ihren Geist. Sie las viel und da Bendavid wenig Zeit hatte, sich mit Büchern zu beschäftigen, so erzählte sie ihm, wenn sie abends bei dem warmen Ofen sassen, oder im Sommer auf der Bank vor dem Hause, alles, was sie Schönes oder Merkwürdiges in ihren Büchern gefunden hatte, sie erzählte ihm Romane, wie man einem Kinde Märchen erzählt, und sie belehrte ihn zugleich über die Wunder des Sternenhimmels, über Thiere, Pflanzen und Steine, über die Entstehung des Erdballs, über fremde Länder und Völker und ihre Schicksale im Buch der Geschichte.
So kam es, dass Bendavid nach und nach eine Art Freigeist wurde, während Mordahil die Befriedigung, die er daheim nicht fand, ausser dem Hause suchend, in die Hände der Chassidim gerieth und ein Zelot wurde.