»Ja.«

»Also. Und da er zuletzt nach dem Manne das Weib erschaffen hat, so ist das Weib sein vollkommenstes Geschöpf, sie ist die Herrin des Mannes.«

»Ich sehe, Du bist klüger als ich dachte«, erwiderte der Zadik, »und so will ich mir die Mühe nicht verdriessen lassen, Dich zu bekehren.«

»Sieh' zu, dass ich Dich nicht bekehre«, rief Vögele, indem sie den weissen Arm auf die mit Sammt und Pelz bedeckte üppige Hüfte stemmte, »wo hat jemals ein Mann eine Frau bekehrt? Der Talmud erzählt uns, dass sich eines Tages ein edles Ehepaar aus unbekannten Gründen getrennt und Jedes wieder sich verheirathet hat, wobei Mann und Frau leider eine gleich unglückliche Wahl trafen. Was geschah nun? Die edle Frau verwandelte ihren zweiten schlechten Mann in kurzer Zeit in einen vorzüglichen Menschen, während der edle Mann durch seine zweite lasterhafte Frau ebenso rasch zum Bösewicht wurde. Du siehst also, dass das Weib aus dem Manne macht, was es nur will, und wenn ich nur wollte, würde ich aus Dir, die Krone des Weltalls, meinen Diener, meinen Knecht, meinen Sklaven machen.«

Mit diesen Worten verliess Vögele stolz das Haus des Zadik und liess die Chassidim sprachlos und versteinert zurück. Ruben sah das Unheil, welches sie angerichtet hatte, und um der Verwirrung der Geister ein Ende zu machen, stimmte er das mystische Lied Rabbi Luria's an:

Die Kinder des Palastes, welche sich scheuen,
Den Sair Anphin (Mikrokosmus) anzusehen,
Mögen hier erscheinen, wo der König in seinem Bilde gegenwärtig ist.


Nicht lange nach dem ersten Triumph Vögele's bereitete ihr der Zufall einen zweiten, noch glorreicheren.