In einer stürmischen Frühlingsnacht brach in dem Judenviertel Feuer aus und griff rasch um sich, da die Gemeinde keinerlei Löschanstalten, ja nicht einmal eine Spritze besass.
Man hatte allerdings eine Feuerwehr errichtet, aber diese erschien dem Zadik als ein Eingriff in die göttliche Macht und seine Rechte und wurde auf seinen Befehl wieder aufgelöst.
Als nun die Flammen das ganze Judenviertel zu verschlingen drohten, trat Vögele unter die Verzweifelten, welche den Marktplatz füllten und rief: »Seht Ihr jetzt, wie weit die Macht des Zadik reicht und was sein Einfluss bei Gott werth ist? Der Zadik hat Euch gesagt, dass Eure Löschanstalten Gott herausfordern. Er hat die Stadt gesegnet und hat erklärt, dass er einen Vertrag mit Gott abgeschlossen habe, dem zu Folge jährlich nur ein Dach vom Feuer verzehrt werden dürfte. Und jetzt sind es schon elf Häuser, welche brennen und wenn uns nicht die Christen retten, wird unser ganzer Stadttheil in dieser Nacht ein Raub der Flammen.«
»Sie hat recht,« rief Tait Feintuch und Wohl Krakow und viele Andere stimmten bei.
Zum Glück erschien jetzt die christliche Feuerwehr und rettete, was noch zu retten war.
Das Ansehen Lewi Jaffa's hatte aber einen neuen Stoss bekommen, und der Zadik sah sich das Scepter der Allmacht mehr und mehr durch die schwache Hand eines Weibes entwunden.
Am dritten Morgen nach dem Brande fand Vögele vor ihrer Thür das Wort »Hairem« geschrieben. Es war der grosse Bann des Zadik. Sie nahm ruhig einen Küchenlappen, wischte das schreckliche Wort aus und ging ihren Geschäften nach, als wenn nichts geschehen wäre.
Es war ein schöner sonniger Tag. Die Bäume blühten, die Felder grünten und die Vögel sangen in den Hainen.
Der Zadik ging hinaus mit seinen Schülern, um ihnen, wie er es liebte, unter freiem Himmel einen Vortrag zu halten.