Kaum sass er unter einer Linde, die ihren Duft in die milde Maienluft strömte, kaum hatten sich seine Schüler um ihn gelagert, da kam eine Frau durch die Felder geschritten.
Es war Vögele.
Als sie vor dem Zadik stehen blieb, in ihrer blausammtenen mit silbergrauem Pelzwerk ausgeschlagenen Jacke, das schwarze Haar mit einem gelbseidenen Tuche umwunden, schien sie eine prächtige Blume mehr, die der Lenz der Erde entlockt hatte.
»Wer hat das Hairem an meine Thür geschrieben?« fragte sie herausfordernd.
»Ich habe es angeordnet«, gab der Zadik zur Antwort.
»Welche Macht massest Du Dir an?« rief Vögele, »bist Du ein Rabbi? Und nicht einmal ein Rabbiner kann den Bann aussprechen, nur der Beschdin hat das Recht dazu.«
»Ich frage wenig nach dem Beschdin«, sagte Lewi Jaffa.
»Der Zadik ist die Krone, die Zierde und das Licht des Weltalls«, rief sein treuer Schüler Ruben.
»Wenn Du dies wirklich bist«, fuhr Vögele fort, »so zeige jetzt Deine Macht, zermalme mich, lass ein Wunder geschehen.«
Allmählig hatte sich eine neugierig lauschende Menge um Vögele und den Zadik versammelt. »Ja, gib uns ein Wunder!« riefen mehrere Stimmen.