Karola hatte geliebt, als sie fast noch ein Kind war. Ein junger Arzt kam in das Haus ihres Vaters, des Bankiers Rubenborg. Siegfried Förenskjöld war in der reichen, jüdischen Gesellschaft von Stockholm gut aufgenommen, obwohl er kein Vermögen besass, weil Jeder in ihm den ehrlichen Mann, den begabten Gelehrten schätzte.
Rubenborg selbst pflegte zu sagen: »Siegfried wird seinen Weg machen«, als er aber eines Tages entdeckte, dass Karola dem jungen Arzt ihr Herz geschenkt hatte, beeilte er sich doch, sie mit dem Schiffsherrn Skandorff zu verheirathen.
Karola widerstand einige Zeit, aber ihr eitles Herz liess sich endlich von dem Glanze blenden, der ihr an der Seite Skandorff's winkte, und sie zeigte selbst in einem Briefe, der in seiner falschen Sentimentalität noch um vieles grausamer war, Förenskjöld ihre Verlobung an. Dieser gab ihr keine Antwort, sondern verliess einige Tage später die schwedische Hauptstadt, um sich einer Expedition anzuschliessen, die nach dem nördlichen Polarmeer segelte.
Seither war er verschollen.
Karola hatte indess das Leben der Residenz in vollen Zügen genossen, man hatte sie bewundert, gefeiert, angebetet, bis sie endlich nichts mehr zu erreichen hatte, bis ihre Eitelkeit übersättigt war und der Eckel kam.
Dann starb ihr Mann, und sie zog sich plötzlich aus den Kreisen, in denen sie als Königin, als Despotin geherrscht hatte, zurück. Den Jahren des Taumels war eine Zeit der Sammlung, der Entsagung, der Wehmuth gefolgt. Karola fühlte sich einsam, unbefriedigt, und mehr und mehr stieg Siegfried's Bild aus dem Nebel der Erinnerung empor, und der Verrathene, für immer Verschollene wurde von Neuem ihr Idol.
Was war dieses Leben ohne Gatten, ohne Kinder, ohne Freunde, ohne Liebe, fragte sie sich an jenem Abend wieder und immer wieder. Sie hatte das Glück frevelhaft von sich gestossen, um einem Phantom zu folgen.
Ja, wenn Förenskjöld noch lebte! aber sie empörte sich gegen den Gedanken, jetzt, wo sie keine Illusionen hatte, einem Anderen zu gehören.