Sie zog es vor, um ihn zu trauern, wie um einen Todten, allein mit ihrer Reue und ihrer Sehnsucht.
Und nun sollte sie hinaus in die frostige Dezembernacht, in das glänzende Haus ihrer Eltern.
Es war der erste Abend der Hanuka, sie durfte nicht fehlen.
Seufzend erhob sie sich, um Toilette zu machen. »Ganz Israel wird heute die Hanukalichter anzünden«, murmelte sie, »aber in Deiner Seele ist das Licht erloschen für immer.«
»Heute will ich kein trauriges Gesicht sehen«, sprach Rubenborg, als Karola eintrat, »heute muss alles heiter sein. Uebrigens bekommen wir einen interessanten Gast, der Dich zerstreuen wird.«
Karola zuckte verächtlich die Achseln.
Alle Räume des väterlichen Hauses waren glänzend geschmückt und erleuchtet. Feierte man doch den grossen Tag, wo Judas Makkabäus nach seinem Siege über die Syrer den Tempel gereinigt und beim Klang der Instrumente und Sang der Leviten die heiligen Lampen wieder angezündet hatte.
Auf dem Kamin stand die alte, siebenarmige Lampe aus getriebenem Silber mit herrlichen Figuren, biblische Scenen darstellend. Acht Lichter waren auf diesem Familienkleinod aufgesteckt, denn das Fest währt acht Tage, und jeden Tag wird eine Kerze mehr angezündet.