Der junge Edelmann trat an das Fenster, um seine Thränen zu verbergen, das jüdische Herz war bewegt, der alte Mann im schlichten Talar hatte das glänzende Wappen aus dem Felde geschlagen.


Es war Mitternacht, als Rabbi Salomon bei dem Baron ankam und demselben einen Brief seines Gegners übergab. Kronenfels las:

Mein Herr!

Sie haben mich schwer beleidigt, indem Sie mich in einer Gesellschaft von Cavalieren einen Juden genannt haben und dies zu einer Zeit, wo Herr von Treitschke in Berlin die Juden das »Schlamassel«, das Unglück des deutschen Volkes genannt hat. Allein Sie sind der einzige Sohn, die Hoffnung Ihrer Familie, und es würde mir leid thun, wenn ich Sie treffen würde. Sie haben mich mehr als einmal das Herz aus dem Asse schiessen sehen, Sie wissen, dass ich keine Redensarten mache. Ich schlage Ihnen desshalb vor, dass wir beide in die Luft schiessen und dass wir uns gegenseitig das Ehrenwort geben, dieses Uebereinkommen niemals zu verrathen.

Broda.

Kronenfels zeigte dem Rabbiner den Brief.

»Was ist da zu thun?« fragte er lächelnd.

»Herr von Broda hat bewiesen, dass er ein Jude ist«, sagte Zuckermandel, »bleiben Sie nicht zurück, beweisen Sie gleichfalls, dass Sie der Sohn eines Stammes sind, der als das älteste Kulturvolk alle anderen an Menschlichkeit übertrifft.«