»Sie wollen sich duelliren?« waren die ersten Worte des weisen gütigen Alten.

»Ja.«

»Und noch dazu mit einem Juden? Nein, Herr von Broda, Sie können, Sie dürfen, Sie werden nicht auf einen Menschen schiessen.«

»Verzeihen Sie, Rabbi Salomon, aber von Ehrensachen verstehe ich mehr als Sie.«

»Glauben Sie?« erwiderte der Rabbiner lächelnd, »nun, wir werden sehen. Sie glauben, die Ehre kann nur durch Blut reingewaschen werden? Mein lieber Herr von Broda, eine Ehre, die makellos ist, braucht überhaupt nicht erst gewaschen zu werden, und eine Ehre, die einen Makel hat, kann auch durch Blut nicht reingewaschen werden. Der Baron hat Sie einen Juden genannt. Ist das eine Beleidigung?«

»In dem Sinne, in dem er das Wort gebraucht hat, ja.«

»Nein, weder in diesem noch in einem anderen Sinne«, fuhr der Rabbiner fort, »sollte der Name Soldat zu einem Schimpfwort werden, weil es Soldaten gibt, die ihre Fahne verlassen haben? Diese Juden, die man meint, wenn man den Namen Jude als Schimpfwort ausspricht, haben auch ihre Fahne verlassen, es sind keine Juden mehr. Das Judenthum ist die Ehrfurcht vor Gott, die Liebe zur Freiheit, die Liebe zur Familie, die Menschenliebe, und die jüdische Ehre besteht nicht darin, Blut zu vergiessen, sondern recht zu handeln und Gutes zu thun.«

»Sie haben recht, aber –«

»Nein, nein, kein Aber. Als Gott auf dem Sinai in Donner und Blitz dem Moses die Gesetztafeln gab, da gab es kein Aber, da sprach er: »Du sollst nicht tödten.« – Sie sind ein Jude, Herr von Broda, das heisst ein Mensch, Sie werden nicht tödten.«