Stumm warf sich die Unglückliche vor ihr nieder, wie vor einer zürnenden Gottheit, und Herta setzte den kleinen Fuss auf sie, ohne Erbarmen, und nachdem sie sich an der Erniedrigung ihrer Feindin genügend geweidet hatte, ergriff sie die Peitsche, mit der sie die grosse Dogge ihres Mannes zu strafen pflegte. Ruhig, stumm entblösste Selma ihre schönen Schultern und neigte das Haupt vor Herta, und diese hatte wirklich den Muth, sie zu schlagen.

Die Peitsche zog einen glühenden Strich über Selma's Rücken und dieses Mal brachte Hertha zur Besinnung. Sie verbarg ihr Gesicht in den Händen und begann laut zu schluchzen. »Was habe ich gethan!« rief sie, »ich Wahnsinnige! am Tage der Reue und Versöhnung.«

Selma hatte sich erhoben, sie schlang die Arme um Herta und suchte sie zu trösten. »Ich habe verlangt, dass Du mich strafen sollst«, sagte sie sanft, »Du hast mir nicht zu viel gethan.«

»Nicht zu viel?« erwiderte Herta, »gut, dann wirst Du mich aber gleichfalls strafen, Selma, denn ich bedarf der Busse mehr als Du, Du gute, grossmüthige, einzige Frau.«

Sie riss mit einer fieberhaften Hast den türkischen Schlafrock, den sie trug, herab, und das Hemd und kniete vor Selma nieder.

»Strafe mich«, bat sie, »schone mich nicht.«

Selma nahm die Peitsche und gab ihr drei sanfte Streiche, nicht anders, als wenn sie ihre Schultern mit einer Blume berühren würde.

»Selma!« rief Herta aus, »Du hast mich mehr gedemüthigt, als ich Dich. Kannst Du mir vergeben?«

Statt ihr zu antworten, zog Selma die Knieende an sich und küsste sie, Herta aber machte sich los, ergriff Selmas Fuss und presste ihre Lippen auf denselben.