Herta erhob sich und öffnete. Eine tief verhüllte, weibliche Gestalt trat über die Schwelle, und als sie langsam den Schleier fallen liess, blickte Herta erstaunt und verwirrt in das schöne, vor Aufregung und Scham geröthete Gesicht Selma's.
»Ich komme, Dich um Vergebung zu bitten«, begann die Arme.
»Du hättest Dir diese Demüthigung ersparen können«, erwiderte Herta mit einem Blick voll Härte und Hohn, »Du hast meine Ehre angegriffen, Du hast mich, ein treues, tugendhaftes, jüdisches Weib, der schwersten Sünde verdächtigt, nein, ich kann Dir nicht vergeben, ich kann nicht.«
»Ich habe bereut …«
»Phrasen!«
»Ich will jede Busse auf mich nehmen, die Du mir auferlegst.«
Herta sah sie an und schien zu überlegen.
»Strafe mich«, murmelte Selma, indem sie sich zu den Füssen ihrer Feindin niederwarf, »ich darf nicht unter das Dach meines Gatten zurückkehren, ohne Deine Vergebung. Tritt mich mit Füssen, aber nimm die Sünde von mir.«
»Ja, Selma«, erwiderte Herta mit vor Rachlust bebenden Lippen, »ja ich will Dich treten, ich will Dich geisseln, vielleicht kann ich Dir dann vergeben.«