»Ich bitte Dich um Vergebung«, rief Wolf, »ich bin der Schuldige – meine Frau …«
»Nein, ich habe Dir Unrecht gethan«, sagte Bär und schon lag Wolf in seinen Armen.
Als die beiden Freunde Hand in Hand in den Tempel traten, lief ein beifälliges Murmeln durch die Versammlung.
Der grosse Tag begann, wo Israel zerknirscht vor seinem Gott im Staube liegt und zu dem Allerbarmer fleht, wo keine Speise, nicht einmal ein Tropfen Wasser über die Lippe des frommen Juden kommt, wo Handel und Arbeit ruhen, und ein Jeder nur seiner Sünden gedenkt und der Stunde, wo er vor dem Throne des Ewigen erscheinen wird.
Während die Männer noch büssten und beteten, kehrten die Frauen langsam aus dem Tempel nach Hause zurück.
Herta Bär brachte ihre Kinder zu Bett und setzte sich dann in eine kleine Stube, die neben ihrem Schlafzimmer lag und in der sie zu arbeiten und zu lesen pflegte. Heute weihte sie die Abendstunden der Betrachtung und der Andacht.
Der kleine Raum war nur durch das Feuer, das in dem grossen, grünen Kachelofen loderte, erhellt. Herta's Augen hafteten an dem rothen Widerschein, der um die exotischen Pflanzen der Tapete an der Wand gaukelte, und ihre Lippen bewegte ein leises Murmeln. Da klopfte es furchtsam an die Thüre.
Wer konnte es sein?