Sicherlich trug diese Nebenbeschäftigung nicht viel ein, denn Stein bewohnte in einer engen finsteren Gasse ein kleines Stübchen unter dem Dach, und es gab Tage, wo er sich nur von Brod und Früchten nährte.

Die Baronin schrieb einige Zeilen an den jungen Gelehrten und lud ihn zu sich, aber der Arme besass nicht einmal einen Rock, in dem er sich hätte vorstellen können und entschuldigte sich durch einen ebenso rührenden als ungeschickten Brief.

Doch die Fee liess sich nicht so leicht abschrecken. Eines Tages stieg sie, von einer gleichgesinnten Freundin begleitet, die steile, finstere Treppe empor und klopfte an Stein's Thüre.

Der arme Stein wäre glücklich gewesen, wenn sich in diesem Augenblick, wie auf dem Theater, eine Versenkung geöffnet hätte, und er hätte verschwinden können. Er hüllte sich verzweifelt in seinen fadenscheinigen Schlafrock, wie Cäsar in seine Toga, als die Verschworenen sich mit gezücktem Dolch auf ihn stürzten, stolperte über seine eigenen Füsse, erröthete wie ein junges Mädchen und stammelte wie ein Schulknabe, der seine Lektion vergessen hat.

Die Güte der Baronin half ihm aber endlich über alle diese Schwierigkeiten hinweg, man sprach sich gegenseitig aus und entschlossen, Stein zu helfen, ohne ihm ein Almosen anzubieten, das er nicht angenommen hätte, machte ihm die liebenswürdige Frau den Vorschlag, ihre Kinder in der Naturgeschichte zu unterrichten. Stein nahm an. Sofort fand sich ein Schneider, der ihm auf diese glänzende Aussicht hin einen Anzug machte, und der schüchterne Gelehrte war bald ein täglicher Gast in dem schönen Palais mit dem herrlichen Garten, dessen alte Bäume mitten in Paris an die Zedern des Libanon mahnen.


Fast zu gleicher Zeit hatte der Baron eine junge Malerin Lazarine Decamps, entdeckt.

Diese reich begabte Künstlerin war genau das Gegentheil des armen, unbeholfenen Gelehrten. Sie stammte aus einer wohlhabenden, jüdischen Familie in Lyon, verdiente ausserdem viel Geld, war hübsch und elegant und voll Selbstvertrauen, ja sogar ein wenig emanzipirt, so dass man sie häufig für eine Studentin der Medizin oder eine Nihilistin hielt.

Eines Abends, im Theater Français, sagte der Baron zu seiner reizenden Frau: »Dein Gelehrter und meine Malerin sind wie geschaffen, sich gegenseitig zu ergänzen. Jedes für sich ist einseitig, zusammen werden sie das vollkommenste Wesen bilden. Wie wäre es, wenn wir sie verheirathen würden?«

»Warum nicht?« erwiderte die Baronin lächelnd. »Da die Ehen im Himmel geschlossen werden, brauchen wir ja nicht zu fürchten, dass wir irgend ein Unheil anrichten.«