Einige Tage darauf waren Fräulein Decamps und Stein bei der Baronin zum Thee geladen. Die Baronin bestellte bei der Malerin zwei kleine Genrebilder aus dem jüdischen Leben im Style der holländischen Cabinetsbilder. Das eine sollte ein jüdisches Mädchen darstellen, mit dem Winden der Kränze für Schebuoth (Pfingsten) beschäftigt, das Gegenstück einen jungen Talmudisten vor seinem Lederbande.

Für diesen Letzteren schlug der Baron Stein als Modell vor, und da sich der Naturforscher in den fernsten Winkel des Salons, zwischen einigen soliden Deputirten versteckt hatte, führte die Baronin Lazarine zu ihm.

Vergebens verschanzte sich Stein hinter seine Studien, vergebens hielt er das Werk, an dem er arbeitete, und auf das er alle seine Hoffnungen setzte, der Malerin als Schild entgegen, sein Kopf interessirte sie, und sie bestand darauf, ihn zu malen.

»Da Sie nicht in mein Atelier kommen wollen«, sagte sie, »so werde ich zu Ihnen kommen und Sie malen, während Sie vor Ihren Büchern und Manuskripten sitzen.«


Schon am nächsten Morgen erschien der Diener der Malerin, ein Neger, stellte in Stein's Stube die Staffelei auf stapelte allerlei Malergeräth auf, und eine halbe Stunde später kam Lazarine selbst. Sie benahm sich, als wäre sie bei Stein zu Hause, sie hing ihren Hut an das Fenster, warf ihre Jacke über seinen Stuhl und machte sich sofort an die Arbeit.

Während sie zeichnete und malte, sass der junge Gelehrte vor seinem mit Büchern, Papieren, Instrumenten und Präparaten bedeckten Tisch und arbeitete, aber mehr und mehr begann er das hübsche, resolute Mädchen von der Seite anzusehen, ein paar Worte an sie zu richten, ihr kleine Aufmerksamkeiten zu erweisen und ehe eine Woche vergangen war, verkehrten Stein und Lazarine bereits als gute Kameraden.

Als das Bild fertig war, und Lazarine sich verabschiedet hatte, fühlte sich Stein namenlos unglücklich. Gewohnt, alles mit der Luppe zu untersuchen, prüfte er jetzt seine eigenen Gefühle und gestand sich endlich, dass er Lazarine liebe.

Niemals hätte er jedoch den Muth gehabt, ihr ein Geständniss zu machen. So adressirte er denn seine Liebeserklärung an die Baronin, welche sie lächelnd anhörte und noch denselben Abend an die richtige Adresse beförderte.

Am folgenden Tage stürmte Lazarine in Stein's Studirzimmer.