– DÄNEMARK. –
Ein jüdischer Soldat. – Die Synagoge. – Der Rabbiner. – Aufruf zur Thora. – Schames. – Das Benschen.
Der Krieg war zu Ende. Der Postillon hatte Nachmittags die Nachricht in das Städtchen gebracht und hatte dazu das Horn geblasen, so fröhlich und stolz, dass alle verstanden, er bringe eine grosse und glückliche Botschaft. Die trug ein jeder rasch dem andern zu. Die Leute riefen sich auf der Strasse und aus den Fenstern zu: Friede! und wohl nirgends klang dieser Ruf so freudig, so aus dem Herzen in die Herzen hinein, wie in der langen, engen, finstren Gasse, welche die Israeliten bewohnten.
In einem kleinen Hause mit Giebel und Erker sass hier noch spät Abends eine alte Frau, beschäftigt Hauswäsche zu flicken und betete. Wer kannte sie nicht im Orte, die gute Rose Lilienkron, die Vertraute aller Liebenden, die Beratherin aller verheiratheten Frauen, der Engel aller Unglücklichen, Armen und Kranken.
Plötzlich klopfte es. Die Thüre ging leise auf, und die alte Rose, welche ihre Brille auf die Stirn heraufgeschoben hatte, erblickte einen jungen, hübschen Mädchenkopf, der mit leuchtenden, dunklen Augen in die grosse Stube hereinblickte.
»Friede!« rief das Mädchen.
»Friede!« wiederholte die Alte.
Dann trat die niedliche Kleine herein, setzte sich auf den hölzernen Schemel zu Roses Füssen, sah sie an und fragte: »Haben Sie keinen Brief?«
»Nein.«
Die Kleine seufzte.