»Mach' Dir keine bösen Gedanken, Abigail,« fuhr Mutter Rose fort, »wenn mein David nicht geschrieben hat, so ist es weil Gott ihn beschützt hat. Wenn er krank oder verwundet wäre, hätten wir Nachricht.«
»Und –« Abigail endete nicht. Sie neigte den Kopf, und an ihren Wimpern hingen grosse Thränen.
»Wenn er gefallen wäre, hätte es einer seiner Kameraden geschrieben.«
Beide schwiegen einige Zeit, man hörte nur das Pochen des Windes an den Scheiben und das sanfte Miauen der Katze, die langsam durch die Stube schritt und jetzt mitten in derselben sitzen blieb und sich zu putzen begann.
»Mieze macht Toilette,« rief Abigail oder wie ihre Eltern sie nannten Adele Silberstern.
»Wir werden einen Gast bekommen,« sagte Rose.
Wieder war es einige Zeit stille, dann schlug unten der alte Hund an, und jetzt begann er laut und freudig zu bellen. Schwere Schritte kamen die Treppe herauf.
»Wer kann das sein? so spät?« murmelte Mutter Rose. Sie wagte nicht auszusprechen was sie dachte und fühlte und hoffte, sie faltete die Hände und begann zu beten. Und wieder pochte es an die alte wurmstichige Thüre und zugleich kratzte der Hund an derselben und begann von neuem zu bellen. Jetzt konnte sich das Mutterherz nicht mehr halten.