Kaum hatte die Woche wieder angefangen, war Schimmel Knofeles auch schon mit seinem Bündel aufgebrochen, und während die Kinder in der düsteren Schulstube vor den hebräischen Hieroglyphen sassen, war Zebedia allein in ihrem kleinen Gewölbe, allein mit ihren bunten Waaren und ihren seltsamen Gedanken. Sie hatte manchmal ein Gefühl der Einsamkeit in diesen Tagen, wo Schimmel wie ein Kameel der Wüste, die galizische Ebene durchstrich, und hie und da fragte sie sich, ob sie eigentlich glücklich war an der Seite dieses Mannes, der so schwer arbeiten musste, um ihr Freude zu machen, und der nur zu sehr den jüdischen Karrikaturen glich, die sie manchmal in den Wiener Witzblättern sah.
So war es auch an diesem Abend. Sie hatte vergessen Licht zu machen, so sehr war sie in ihre Pelzjacke und in ihre Träume versunken, und sie bemerkte erst, dass es dunkel geworden, als ein fremder Mann hereintrat und Zigarren verlangte.
Sie zündete rasch die Lampe an, und als das rothe Licht derselben über ihr zugleich hartes und weiches, eine milde Leidenschaft athmendes Antlitz fiel, sah der junge vornehme Mann, dem sie das Kistchen mit den Zigarren liebenswürdig anbot, sie überrascht an. Sie erkannte ihn jetzt, es war der Graf Gorewski, welcher ein Schloss in der Nähe besass. Er war schon manchmal eingetreten, aber es war, als ob er sie zum ersten Male sähe. Es währte geraume Zeit, ehe er sich für eine Sorte Zigarren entschied, er liess sich alle Kistchen zeigen, um nur recht lange das Vergnügen haben zu können, in die schönen, lebhaften Augen Zebedia's zu blicken. Als er fortging, schüttelte sie den Kopf. Sie war ein Weib. Sie wusste, dass sie ihm gefallen hatte, und sie fand ihn gleichfalls hübsch. Wieder sass sie lange, die Hände in den Aermeln ihrer Pelzjacke versteckt. Dann machte sie eine Bewegung mit dem Kopf, als wollte sie eine Fliege verscheuchen, oder war es ein böser Gedanke?
Der Graf kam nun öfter und sie war liebenswürdig gegen ihn, weil sie klug war. Sie sagte sich, dass er nicht so viel bei ihr kaufen würde, wenn sie ihm eine saure Miene machen würde. Es gehörte mit zum Geschäft, liebenswürdig zu sein, zu lächeln, die Augen ein wenig zu verdrehen und mit ihren Händen, die doppelt weiss aus dem dunklen Pelzwerk hervorkamen, seine Zigarren anzuzünden. Aber warum zündete sie den Bauern, die auch ihren Tabak bei ihr kauften, nicht auch die Pfeife an?
Sie spielte eine Art Hazardspiel, aber sie kam nicht in die Gefahr, zu verlieren, denn der Graf war leidenschaftlich, und sie war schlau und kaltblütig.
Eines Abends zwang er sie dennoch, die Karten aufzulegen. Er fasste sie bei der Hand und blickte ihr in die Augen.
»Ist es nicht schade, dass Sie hier, in diesem dumpfen Winkel, verblühen, wie eine Rose in einem Kerker«, sprach er.