Schimmel Knofeles.
– GALIZIEN. –
Der Handelsjude. – Sabbath. – Familienleben. – Eheliche Treue.
Schon stand der Abendstern am Himmel, schon wurden in den hölzernen Häusern der kleinen Stadt die Lichter auf den Kronleuchtern angezündet, als sich Schimmel Knofeles endlich auf der Schwelle seines Hauses zeigte. Zebedia, seine Frau, hatte bereits Angst, dass er, der Fromme, Gewissenhafte, den Sabbath verletzen könnte, sie sah ihn noch mit dem Bündel auf dem Rücken durch den Staub der Landstrasse waten, während Israel bereits im Festglanz prangte, aber da war er schon, Gott sei gedankt! und stand in der offenen Thüre mit seinem gutmüthig schalkhaften Lächeln. Zebedia hatte schon die grosse Stube und den Tisch hergerichtet, die Kinder angezogen und sich selbst mit dem Ueberrock von dunkelrother Seide und der Stirnbinde geschmückt. Der Rubinglanz ihres Gewandes und das Feuer der falschen Steine, die ihr Haupt umgaben, stimmte trefflich zu ihrer südlichen Schönheit, welche die Lieder des Hafis in das Gedächtniss zurückrief, zu ihrer üppigen Gestalt, ihrem weissen Teint, ihren rothen Lippen und den grossen, schwarzen Augen. Das dunkle Haar war am Hochzeitstage unter der unerbittlichen Scheere gefallen.
Schimmel lächelte noch immer, zuerst in seiner herzlichen Freude über das schöne, geliebte Weib und dann im Gefühl der Schätze, die er brachte. Er stellte zuerst einen grossen Käfig zur Erde, in dem bisher ein Geier gehaust hatte und den er als altes Eisen billig genug erhandelt hatte und entfaltete dann eine prächtige Pelzjacke, diese war aber vollkommen neu. Eine polnische Gräfin hatte sie spottwohlfeil hergegeben, nur weil das Roth des Sammtes zu ihren mattgelben Möbeln nicht stimmen wollte, und Schimmel Knofeles hatte die Gelegenheit benutzt, seiner Frau ein fürstliches Geschenk zu machen.
Der kleine magere Jude, dessen Nase wie vom Sturm geknickt herabhing und dessen Rücken gekrümmt war, als hätte ihn die Natur erschaffen, Lasten zu tragen, lief die ganze Woche umher, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Edelhof zu Edelhof, im Schneegestöber, im Regen, in der glühenden Sonnenhitze, schwer beladen mit seinen Waaren. Er opferte sich auf, nicht etwa, weil die Seinen sonst nichts zu Essen hatten, nein, um seine Knaben studiren, seine Tochter Klavierspielen lernen zu lassen und Zebedia mit aller Bequemlichkeit, ja selbst mit Luxus zu umgeben.
Wenn er aber am Freitag zurückkehrte und wieder im Kreise der Seinen beim Nachtessen sass, war er für alle Mühe, für alle Entbehrungen reichlich belohnt.
So war es auch jetzt, als er die Pelzjacke ausbreitete und seine Frau, nachdem sie dieselbe sattsam bewundert und geprüft hatte, lächelnd, mit zwei behaglichen Bewegungen in das weiche Pelzwerk schlüpfte. Die Kinder freuten sich indess nicht minder lebhaft über den grossen Käfig, der in eine Ecke gestellt wurde und ein prächtiges Spielzeug zu werden versprach.
Nachdem Schimmel sich gewaschen und das Wochenkleid mit dem seidenen Talar vertauscht hatte, traten alle zusammen an den Tisch, über dem die Sabbathlampe brannte und Schimmel begann das Sabbathgebet. Seine Stimme klang erst gedrückt, wie wenn er noch den Wochenstaub im Halse hätte, aber immer freier und mächtiger; der kleine Mann, der die Hände erhoben hatte und den Gott Abraham's, Isaak's und Jakob's anrief, schien mehr und mehr zu wachsen, und sein braunes Gesicht verklärte sich, der Schacherjude wurde zum Priester, zum Fürsten, zum Patriarchen.
Als das Gebet zu Ende war, brach er das Brod und Zebedia trug den Karpfen in der Rosinensauce auf, alle setzten sich an den Tisch und assen und als Schimmel um sich blickte, stolz wie ein König, sah er, dass die Sabbathlampe nur zufriedene, glückliche Gesichter beschien.