Als der Gottesdienst zu Ende war, wendete sich der greise Rabbiner noch einmal an David Lilienkron.

»Mein Sohn«, sprach er, »Du hast der Gemeinde, Du hast dem ganzen jüdischen Volke, das über den Erdboden zerstreut ist, Ehre gemacht, ich will Dich dafür »benschen.««

Er erhob die Hände und sprach: »Gott segne Dich und behüte Dich! Gott lasse leuchten über Dich sein Angesicht und sei Dir gnädig! Gott wende sich Dir zu und gebe Dir den Frieden!« –

Als David mit den Seinen aus dem Tempel in den Hof trat, drängten sich alle, Alt und Jung, an ihn heran, um ihm Glück zu wünschen, ihm die Hände zu drücken und das Ehrenzeichen auf seiner Brust zu bewundern. Zindel, der Schuster, von seiner lebhaften Phantasie hingerissen, verstieg sich soweit, auszurufen: »Das hat ihm der König an die Brust geheftet, mit eigener Hand, ja, mit eigener Hand!«

Am äusseren Thore aber stand der kleine Chames, umgeben von allen Knaben, welche die Cheder besuchten, und als David, Mutter Rose am Arm, herankam, stimmten hundert helle Stimmen das Lied an, das er und seine Kameraden im Pulverrauch von Oversee und Düppel gesungen hatten: Der tappere Landsoldat.