Ein beifälliges Gemurmel folgte diesen Worten.

»Was bedeutet das Kreuz auf der Brust dieses Mannes?« fuhr er fort. »Es sagt uns: er ist ein Jude! und dieses Zeichen, das einst seine Vorfahren zu Schmach und Verfolgung ausschied, zeichnet ihn heute mit Ehren aus. Hallelujah! Preiset den Herrn.«[1]

»Hallelujah!« sang der Kantor.

»Hallelujah!« stimmte die ganze Gemeinde ein.

»Ja, gelobt sei der allmächtige Gott, der heilige Richter über Krieg und Frieden, dass er uns in seiner gnädigen Führung zu einer Stufe emporgeleitet hat, wo das Zeugniss der Treue, der erfüllten Pflicht auch die Brust des Juden schmückt. Welch' eine Wandlung unserer Geschicke! Vormals der gelbe Schandfleck auf unserem Rücken und jetzt das Kreuz auf unserer Brust. Gottes Name sei gepriesen!«

Alle nickten zustimmend, viele erhoben die Hände, Einzelne begannen laut zu weinen.

»Allerdings ist den Juden verboten, die Kleidung der Heiden zu tragen, aber der Talmud gestattet ihnen, sobald sie mit hohen Personen anderen Glaubens verkehren, deren Tracht anzunehmen. In diesem Sinne muss auch dieses Ehrenzeichen als ein erlaubter Schmuck angesehen werden, und dann ist das christliche Symbol kein heidnisches. Im Traktat Bechorath Blatt 1 Seite 2, Abschnitt Schemmä heisst es: In unserer Zeit darf dem Nichtjuden ein Schwur auferlegt werden, denn hier handelt es sich nicht um die Anerkennung eines anderen Gottes, weil der Sinn der Schwörenden, auch wenn sie dabei noch einer anderen Person erwähnen, dennoch auf den Namen des Schöpfers des Himmels und der Erde gerichtet ist.

Das christliche Symbol ist kein heidnisches, und der Jude kann mit demselben auf der Brust zur Thora aufgerufen werden. Ja, mir erscheint dieses Symbol auf der Brust des jüdischen Mannes als eine Fügung des Herrn, als eine erhebende Auszeichnung, als eine Verherrlichung des göttlichen Namens Kiddusch-Haschem!«

Mit diesen Worten übergab der Greis die Thora dem Soldaten und dieser begann laut aus derselben vorzulesen.