Es war ein großes Ölgemälde in der kräftigen farbensatten Manier der belgischen Schule gemalt, sein Gegenstand seltsam genug.
Ein schönes Weib, ein sonniges Lachen auf dem feinen Antlitz, mit reichem, in einen antiken Knoten geschlungenem Haare, auf dem der weiße Puder wie leichter Reif lag, ruhte, auf den linken Arm gestützt, nackt in einem dunkeln Pelz auf einer Ottomane; ihre rechte Hand spielte mit einer Peitsche, während ihr bloßer Fuß sich nachlässig auf den Mann stützte, der vor ihr lag wie ein Sklave, wie ein Hund, und dieser Mann, mit den scharfen, aber wohlgebildeten Zügen, auf denen brütende Schwermut und hingebende Leidenschaft lag, welcher mit dem schwärmerischen brennenden Auge eines Märtyrers zu ihr emporsah, dieser Mann, der den Schemel ihrer Füße bildete, war Severin, aber ohne Bart, wie es schien um zehn Jahre jünger.
„Venus im Pelz!“ rief ich, auf das Bild deutend, „so habe ich sie im Traume gesehen.“ „Ich auch,“ sagte Severin, „nur habe ich meinen Traum mit offenen Augen geträumt.“
„Wie?“
„Ach! das ist eine dumme Geschichte.“
„Dein Bild hat offenbar Anlaß zu meinem Traum gegeben,“ fuhr ich fort, „aber sage mir endlich einmal, was damit ist, daß es eine Rolle gespielt hat in deinem Leben, und vielleicht eine sehr entscheidende, kann ich mir denken, aber das weitere erwarte ich von dir.“
„Sieh dir einmal das Gegenstück an,“ entgegnete mein seltsamer Freund, ohne auf meine Frage einzugehen.
Das Gegenstück bildete eine treffliche Kopie der bekannten „Venus mit dem Spiegel“ von Titian in der Dresdener Galerie.
„Nun, was willst du damit?“
Severin stand auf und wies mit dem Finger auf den Pelz, mit dem Titian seine Liebesgöttin bekleidet hat.