„Auch hier ‚Venus im Pelz‘,“ sprach er fein lächelnd, „ich glaube nicht, daß der alte Venetianer damit eine Absicht verbunden hat. Er hat einfach das Portrait irgendeiner vornehmen Messaline gemacht und die Artigkeit gehabt, ihr den Spiegel, in welchem sie ihre majestätischen Reize mit kaltem Behagen prüft, durch Amor halten zu lassen, dem die Arbeit sauer genug zu werden scheint. Das Bild ist eine gemalte Schmeichelei. Später hat irgendein ‚Kenner‘ der Rokokozeit die Dame auf den Namen Venus getauft, und der Pelz der Despotin, in den sich Titians schönes Modell wohl mehr aus Furcht vor dem Schnupfen als Keuschheit gehüllt hat, ist zu einem Symbol der Tyrannei und Grausamkeit geworden, welche im Weibe und seiner Schönheit liegt.
Aber genug, so wie das Bild jetzt ist, erscheint es uns als die pikanteste Satire auf unsere Liebe. Venus, die im abstrakten Norden, in der eisigen christlichen Welt in einen großen schweren Pelz schlüpfen muß, um sich nicht zu erkälten. —“
Severin lachte und zündete eine neue Zigarette an.
Eben ging die Türe auf und eine hübsche volle Blondine mit klugen freundlichen Augen, in einer schwarzen Seidenrobe, kam herein und brachte uns kaltes Fleisch und Eier zum Tee. Severin nahm eines der letzteren und schlug es mit dem Messer auf. „Habe ich dir nicht gesagt, daß ich sie weich gekocht haben will?“ rief er mit einer Heftigkeit, welche die junge Frau zittern machte.
„Aber lieber Sewtschu —“ sprach sie ängstlich.
„Was Sewtschu,“ schrie er, „gehorchen sollst du, gehorchen, verstehst du,“ und er riß den Kantschuk[1], welcher neben seinen Waffen hing, vom Nagel.
Die hübsche Frau floh wie ein Reh rasch und furchtsam aus dem Gemache.
„Warte nur, ich erwische dich noch,“ rief er ihr nach.
„Aber Severin,“ sagte ich, meine Hand auf seinen Arm legend, „wie kannst du die hübsche kleine Frau so traktieren!“