„Sieh dir das Weib nur an,“ erwiderte er, indem er humoristisch mit den Augen zwinkerte, „hätte ich ihr geschmeichelt, so hätte sie mir die Schlinge um den Hals geworfen, so aber, weil ich sie mit dem Kantschuk erziehe, betet sie mich an.“
„Geh mir!“
„Geh du mir, so muß man die Weiber dressieren.“
„Leb’ meinetwegen wie ein Pascha in deinem Harem, aber stelle mir nicht Theorien auf —“
„Warum nicht,“ rief er lebhaft, „nirgends paßt Goethes ‚Du mußt Hammer oder Ambos sein‘ so vortrefflich hin wie auf das Verhältnis von Mann und Weib, das hat dir beiläufig Frau Venus im Traume auch eingeräumt. In der Leidenschaft des Mannes ruht die Macht des Weibes, und es versteht sie zu benützen, wenn der Mann sich nicht vorsieht. Er hat nur die Wahl, der Tyrann oder der Sklave des Weibes zu sein. Wie er sich hingibt, hat er auch schon den Kopf im Joche und wird die Peitsche fühlen.“
„Seltsame Maximen!“
„Keine Maximen, sondern Erfahrungen,“ entgegnete er mit dem Kopfe nickend, „ich bin im Ernste gepeitscht worden, ich bin kuriert, willst du lesen wie?“
Er erhob sich und holte aus seinem massiven Schreibtisch eine kleine Handschrift, welche er vor mich auf den Tisch legte.
„Du hast früher nach jenem Bilde gefragt. Ich bin dir lange schon eine Erklärung schuldig. Da — lies!“