Severin setzte sich zum Kamin, den Rücken gegen mich, und schien mit offenen Augen zu träumen. Wieder war es still geworden, und wieder sang das Feuer im Kamin und der Samowar und das Heimchen im alten Gemäuer und ich schlug die Handschrift auf und las:
„Bekenntnisse eines Übersinnlichen,“ an dem Rande des Manuskriptes standen als Motto die bekannten Verse aus dem Faust variiert:
„Du übersinnlicher sinnlicher Freier,
Ein Weib nasführet dich!“
Mephistopheles.
Ich schlug das Titelblatt um und las: „Das Folgende habe ich aus meinem damaligen Tagebuche zusammengestellt, weil man seine Vergangenheit nie unbefangen darstellen kann, so aber hat alles seine frischen Farben, die Farben der Gegenwart.“
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Gogol, der russische Molière, sagt — ja wo? — nun irgendwo — „die echte komische Muse ist jene, welcher unter der lachenden Larve die Tränen herabrinnen.“
Ein wunderbarer Ausspruch!
So ist es mir recht seltsam zumute, während ich dies niederschreibe. Die Luft scheint mir mit einem aufregenden Blumenduft gefüllt, der mich betäubt und mir Kopfweh macht, der Rauch des Kamines kräuselt und ballt sich mir zu Gestalten, kleinen graubärtigen Kobolden zusammen, die spöttisch mit dem Finger auf mich deuten, pausbackige Amoretten reiten auf den Lehnen meines Stuhles und auf meinen Knien, und ich muß unwillkürlich lächeln, ja laut lachen, indem ich meine Abenteuer niederschreibe, und doch schreibe ich nicht mit gewöhnlicher Tinte, sondern mit dem roten Blute, das aus meinem Herzen träufelt, denn alle seine längst vernarbten Wunden haben sich geöffnet und es zuckt und schmerzt, und hie und da fällt eine Träne auf das Papier.