„Ich befehle nicht, ich bitte Sie darum,“ spricht sie mit unwiderstehlichem Liebreiz, dann steht sie auf, legt die Hände auf meine Schultern und sieht mich an. „Diese Augen!“ ruft sie aus, „ich liebe dich so, Severin, du weißt nicht, wie ich dich liebe.“

„Ja,“ entgegne ich bitter, „so sehr, daß Sie einem anderen ein Rendezvous geben.“

„Das tue ich ja nur, um dich zu reizen,“ antwortet sie lebhaft, „ich muß Anbeter haben, damit ich dich nicht verliere, ich will dich nie verlieren, niemals, hörst du, denn ich liebe nur dich, dich allein.“

Sie hing leidenschaftlich an meinen Lippen.

„O! könnte ich dir, wie ich möchte, meine ganze Seele im Kusse hingeben — so — nun aber komme.“

Sie schlüpfte in einen einfachen, schwarzen Samtpaletot und umhüllte ihr Haupt mit einem dunklen Baschlik. Dann ging sie rasch durch die Galerie und stieg in den Wagen.

„Gregor wird mich fahren,“ rief sie dem Kutscher zu, der sich befremdet zurückzog.

Ich stieg auf den Bock und peitschte zornig in die Pferde.

In den Cascinen, dort, wo die Hauptallee zu einem dichten Laubgang wird, stieg Wanda aus. Es war Nacht, nur einzelne Sterne blickten durch die grauen Wolken, welche über den Himmel zogen. Am Arno stand ein Mann in einem dunklen Mantel und einem Räuberhut und blickte in die gelben Wellen. Wanda schritt rasch durch das Gebüsch zur Seite und schlug ihn auf die Achsel. Ich sah noch, wie er sich zu ihr wendete, ihre Hand faßte — dann verschwanden sie hinter der grünen Wand.

Eine qualvolle Stunde. Endlich raschelt es seitwärts im Laube, sie kehrten zurück.