„Und warum nicht?“ fragte ich, „wird nicht jeder Künstler, auch der berühmteste, stolz darauf sein, wenn du ihm gestattet, dich durch seinen Pinsel zu verewigen?“

„Der Gedanke, daß diese außerordentliche Schönheit,“ fuhr ich, sie mit Begeisterung betrachtend, fort, „diese herrliche Bildung des Gesichtes, dieses seltsame Auge mit seinem grünen Feuer, dieses dämonische Haar, diese Pracht des Leibes für die Welt verloren gehen sollen, ist entsetzlich und faßt mich mit allen Schauern des Todes, der Vernichtung an; dich aber soll die Hand des Künstlers ihr entreißen, du darfst nicht wie wir anderen ganz und für immer untergehen, ohne eine Spur deines Daseins zurückzulassen, dein Bild muß leben, wenn du selbst schon längst zu Staub zerfallen bist, deine Schönheit muß über den Tod triumphieren!“

Wanda lächelte.

„Schade, daß das heutige Italien keinen Titian oder Raphael hat,“ sprach sie, „indes vielleicht ersetzt die Liebe das Genie, wer weiß, unser kleiner Deutscher?“ Sie sann nach.

„Ja — er soll mich malen — und ich werde dafür sorgen, daß ihm Amor die Farben mischt.“

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Der junge Maler hat in ihrer Villa sein Atelier aufgeschlagen, sie hat ihn vollkommen im Netz. Er hat eben eine Madonna angefangen, eine Madonna mit rotem Haare und grünen Augen! Aus diesem Rasseweibe ein Bild der Jungfräulichkeit machen, das kann nur der Idealismus eines Deutschen. Der arme Bursche ist wirklich beinahe noch ein größerer Esel als ich. Das Unglück ist nur, daß unsere Titania unsere Eselohren zu früh entdeckt hat.

Nun lacht sie über uns, und wie sie lacht, ich höre ihr übermütiges, melodisches Lachen in seinem Studio, unter dessen offenem Fenster ich stehe und eifersüchtig lausche.

„Sind Sie toll, mich — ah! es ist nicht zu glauben, mich als Mutter Gottes!“ — rief sie und lachte wieder, „warten Sie nur, ich will Ihnen ein anderes Bild von mir zeigen, ein Bild, das ich selbst gemalt habe, sie sollen es mir kopieren.“