„War jemand da?“
„Niemand,“ erwiderte sie und kauert sich wie eine schwarze Katze auf den Stufen nieder.
Ich gehe langsam durch den Saal und stehe jetzt vor der Türe ihres Schlafgemaches.
Warum klopft mir das Herz? Ich bin doch so glücklich.
Leise öffnend, schlage ich die Portière zurück. Wanda liegt auf der Ottomane, sie scheint mich nicht zu bemerken. Wie schön sie ist in dem Kleide von silbergrauer Seide, das sich verräterisch an ihre herrlichen Formen anschließt und ihre wunderbare Büste und ihre Arme unverhüllt läßt. Ihr Haar ist mit einem schwarzen Sammetbande durchschlungen und aufgebunden. Im Kamin lodert ein mächtiges Feuer, die Ampel wirft ihr rotes Licht, das ganze Zimmer schwimmt im Blut.
„Wanda!“ sage ich endlich.
„O Severin!“ ruft sie freudig, „ich habe dich mit Ungeduld erwartet,“ sie springt auf und schließt mich in ihre Arme; dann setzt sie sich wieder in die üppigen Polster und will mich zu sich ziehen, ich gleite indes sanft zu ihren Füßen nieder und lege mein Haupt in ihren Schoß.
„Weißt du, daß ich heute sehr verliebt in dich bin?“ flüstert sie und streicht mir ein paar lose Härchen aus der Stirne und küßt mich auf die Augen.
„Wie schön deine Augen sind, sie haben mir immer am besten an dir gefallen, heute aber machen sie mich förmlich trunken. Ich vergehe“ — sie dehnte ihre herrlichen Glieder und blinzelte mich durch die roten Wimpern zärtlich an.