„Sie teilen sie nicht.“
„Ich teile sie nicht,“ sprach sie rasch und entschieden und schüttelte den Kopf, daß ihre Locken wie rote Flammen emporschlugen.
„Mir ist die heitere Sinnlichkeit der Hellenen — Freude ohne Schmerz — ein Ideal, das ich in meinem Leben zu verwirklichen strebe. Denn an jene Liebe, welche das Christentum, welche die Modernen, die Ritter vom Geiste predigen, glaube ich nicht. Ja, sehen Sie mich nur an, ich bin weit schlimmer als eine Ketzerin, ich bin eine Heidin.
„Glaubst du, es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen,
Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel?“
Diese Verse aus Goethes römischer Elegie haben mich stets sehr entzückt.
In der Natur liegt nur jene Liebe der heroischen Zeit, „da Götter und Göttinnen liebten“. Damals
„folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier“.
Alles andere ist gemacht, affektiert, erlogen. Durch das Christentum — dessen grausames Emblem — das Kreuz — etwas Entsetzliches für mich hat — wurde erst etwas Fremdes, Feindliches in die Natur und ihre unschuldigen Triebe hineingetragen.
Der Kampf des Geistes mit der sinnlichen Welt ist das Evangelium der Modernen. Ich will keinen Teil daran.“