„Was wollten Sie doch sagen...“
„Was ich sagen wollte — ja, ich wollte — vergeben Sie — meine Gnädige — ich habe Sie unterbrochen.“
„Wie?“
Eine lange Pause. Sie hält gewiß einen Monolog, der, in meine Sprache übersetzt, sich in das einzige Wort „Esel“ zusammenfassen läßt.
„Wenn Sie erlauben, gnädige Frau,“ begann ich endlich, „wie sind Sie zu diesen — zu diesen Ideen gekommen?“
„Sehr einfach, mein Vater war ein vernünftiger Mann. Ich war von der Wiege an mit Abgüssen antiker Bildwerke umgeben, ich las mit zehn Jahren den Gil Blas, mit zwölf die Pucelle. Wie andere in ihrer Kindheit den Däumling, Blaubart, Aschenbrödel, nannte ich Venus und Apollo, Herkules und Laokoon meine Freunde. Mein Gatte war eine heitere, sonnige Natur; nicht einmal das unheilbare Leiden, das ihn nicht lange nach unserer Vermählung ergriff, konnte seine Stirne jemals für die Dauer umwölken. Noch die Nacht vor dem Tode nahm er mich in sein Bett und während der vielen Monate, wo er sterbend in seinem Rollsessel lag, sagte er öfter scherzend zu mir: „Nun, hast du schon einen Anbeter?“ Ich wurde schamrot. „Betrüge mich nicht,“ fügte er einmal hinzu, „das fände ich häßlich, aber suche dir einen hübschen Mann aus, oder lieber gleich mehrere. Du bist ein braves Weib, aber dabei noch ein halbes Kind, du brauchst Spielzeug.““
„Es ist wohl nicht nötig, Ihnen zu sagen, daß ich, so lange er lebte, keinen Anbeter hatte, aber genug, er erzog mich zu dem, was ich bin, zu einer Griechin.“
„Zu einer Göttin,“ fiel ich ein.
Sie lächelte. „Zu welcher etwa?“
„Zu einer Venus.“