In rascher Folge entstanden weitere Schöpfungen, und eine wie die andere waren vollwertiges Gold.
Um so peinlicher überrascht fühlten sich daher alle Freunde des Dichters, als plötzlich höchst oberflächliche und zum Teil direkt minderwertige Produkte seiner Feder auf dem Markt erschienen. Verwundert und verstimmt fragte man sich, wie es möglich sei, daß ein Poet, der die Klassizität gestreift, sein eigenes Renommee in solcher Weise verderben könne. Nach Sacher-Masochs Tode ist dies Rätsel gelöst. Die Not, die bitterste äußere Not zwang ihn dazu, dem Gott in sich selbst Gewalt anzutun, um Brot für sich und die Seinen um jeden Preis zu schaffen. In jener Zeit entstanden die vielberufenen „Messalinen Wiens“, „Falscher Hermelin“ usw. Aber seltsam, gerade diese seichten Arbeiten hatten bei dem Publikum ungeahnten Erfolg. Es brauchte dabei nicht zu denken, wohl aber fühlte es sich seltsam erregt durch das eigenartige, ihnen entströmende Gemisch von Stall- und Boudoirparfüm.
So wurde Sacher-Masoch in den Augen vieler zu einem oberflächlichen und frivolen Skribenten erniedrigt, und es konnte leider nicht anders sein, denn die Welt urteilt stets nach den Resultaten, aber nicht nach den Motiven.
Selbst in der Spätzeit, als der Dichter sich wieder großen und bedeutenden Aufgaben zuwandte, vermochte er die alten peinlichen Erinnerungen nicht wieder zu verwischen. Und — es ist traurig zu sagen — auch das große Publikum wollte nichts Gehaltvolles mehr von ihm, sondern verlangte von ihm geradezu Mindergut.
Nur eine verhältnismäßig kleine Gemeinde wirklicher Verehrer blieb ihm dauernd treu, jener, die das Unvergängliche, was er geschaffen, seinem vollen Werte nach zu schätzen wußten und trotz seiner späteren Mängel niemals an dem genialen Meister irre wurden.
Den Wünschen dieser zu entsprechen — da die älteren Ausgaben vollständig vergriffen sind —, entschlossen wir uns, einige seiner besten Arbeiten in Neudrucken auf den Markt zu bringen. Darunter auch die Novellen „Die Liebe des Plato“ und die „Venus im Pelz“.
Obwohl diese beiden Werke seit über 50 Jahren der Literatur angehören und in allen Literaturgeschichten gewürdigt sind, ist es ihnen — und namentlich der „Venus im Pelz“ — nicht erspart geblieben, neuerdings seitens der Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften verschiedensten Titels beanstandet zu werden.
Es sei allerdings gern anerkannt, daß Kenntnis der Literatur und Phantasie von Polizeiorganen und solchen der öffentlichen Anklagebehörde nicht erwartet werden darf. Beides gehört nicht zu ihrem Ressort.
Die Folgen dieser Beanstandungen blieben nicht aus. In der Regel wurden „Plato“ und die „Venus im Pelz“ seitens der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaften ohne weiteres als nicht zu beanstandende Dichtungen und Kunstwerke dem öffentlichen Verkehr zurückgegeben. Gleichwohl kam es gelegentlich vor, daß die „Venus“ Gegenstand einer Gerichtsverhandlung wurde. Von den Resultaten dieser ist zu sagen, daß sie allemal mit einer Niederlage der Staatsanwaltschaft endeten.
Die Welt der deutschen Schriftsteller hatte das nicht anders erwartet. Als es bekannt wurde, daß ein Einschreiten gegen die „Venus im Pelz“ im Gange sei, erhob sich überall befremdetes Kopfschütteln. In geschlossener Phalanx traten die Koryphäen deutschen Schrifttums regelmäßig für Erhaltung des Werkes ein und mit ihnen zugleich die Männer der Wissenschaft.