„Wenn ich es aber mit Ihnen wagen will?“ erwiderte ich.
„Dann kommt es noch darauf an, ob ich es mit Ihnen wagen will,“ sprach sie ruhig, „ich kann mir ganz gut denken, daß ich einem Mann für das Leben gehöre, aber es müßte ein voller Mann sein, ein Mann, der mir imponiert, der mich durch die Gewalt seines Wesens unterwirft, verstehen Sie? und jeder Mann — ich kenne das — wird, sobald er verliebt ist — schwach, biegsam, lächerlich, wird sich in die Hand des Weibes geben, vor ihr auf den Knien liegen, während ich nur jenen dauernd lieben könnte, vor dem ich knien würde. Aber Sie sind mir so lieb geworden, daß ich es mit Ihnen versuchen will.“
Ich stürze zu ihren Füßen.
„Mein Gott! da knien Sie schon,“ sprach sie spöttisch, „Sie fangen gut an,“ und als ich mich wieder erhoben hatte, fuhr sie fort: „Ich gebe Ihnen ein Jahr Zeit, mich zu gewinnen, mich zu überzeugen, daß wir für einander passen, daß wir zusammen leben können. Gelingt Ihnen dies, dann bin ich Ihre Frau und dann, Severin, eine Frau, welche ihre Pflichten streng und gewissenhaft erfüllen wird. Während dieses Jahres werden wir wie in einer Ehe leben —“
Mir stieg das Blut zu Kopfe.
Auch ihre Augen flammten plötzlich auf. — „Wir werden zusammen wohnen,“ fuhr sie fort, „alle unsere Gewohnheiten teilen, um zu sehen, ob wir uns ineinander finden können. Ich räume Ihnen alle Rechte eines Gatten, eines Anbeters, eines Freundes ein. Sind Sie damit zufrieden?“
„Ich muß wohl.“
„Sie müssen nicht.“
„Also ich will —“