„Sie täuschen sich.“

„Ich glaube,“ fuhr ich fort, „daß es Ihnen Vergnügen macht, einen Mann ganz in Ihrer Hand zu haben, zu quälen —“

„Nein, nein!“ rief sie lebhaft, „oder doch“ — sie sann nach. „Ich verstehe mich selbst nicht mehr,“ fuhr sie fort, „aber ich muß Ihnen ein Geständnis machen. Sie haben meine Phantasie verdorben, mein Blut erhitzt, ich fange an, an allem dem Gefallen zu finden, die Begeisterung, mit der Sie von einer Pompadour, einer Katharina II. und von all den anderen selbstsüchtigen, frivolen und grausamen Frauen sprechen, reißt mich hin, senkt sich in meine Seele und treibt mich, diesen Frauen ähnlich zu werden, welche trotz ihrer Schlechtigkeit, so lange sie lebten, sklavisch angebetet wurden und noch im Grabe Wunder wirken.

Am Ende machen Sie aus mir noch eine Miniaturdespotin, eine Pompadour zum Hausgebrauche.“

„Nun denn,“ sprach ich erregt, „wenn dies in Ihnen liegt, dann geben Sie sich dem Zuge Ihrer Natur hin, nur nichts Halbes; können Sie nicht ein braves, treues Weib sein, so seien Sie ein Teufel.“

Ich war übernächtig, aufgeregt, die Nähe der schönen Frau ergriff mich wie ein Fieber, ich weiß nicht mehr, was ich sprach, aber ich erinnere mich, daß ich ihre Füße küßte und zuletzt ihren Fuß aufhob und auf meinen Nacken setzte. Sie aber zog ihn rasch zurück und erhob sich beinahe zornig.

„Wenn Sie mich lieben, Severin,“ sprach sie rasch, ihre Stimme klang scharf und gebieterisch, „so sprechen Sie nicht mehr von diesen Dingen. Verstehen Sie mich, nie mehr. Ich könnte am Ende wirklich —“ sie lächelte und setzte sich wieder.

„Es ist mein voller Ernst,“ rief ich halb phantasierend, „ich bete Sie so sehr an, daß ich alles von Ihnen dulden will um den Preis, mein ganzes Leben in Ihrer Nähe sein zu dürfen.“

„Severin, ich warne Sie noch einmal.“

„Sie warnen mich vergebens. Machen Sie mit mir, was Sie wollen, nur stoßen Sie mich nicht ganz von sich.“