Sie warteten die ganze Nacht hinter einem schweren Brokatvorhang. Sämtliche Eichentüren waren verschlossen worden. Alle Fenster waren zu; nur das rote Licht des Kometen verbreitete eine traumhafte Helligkeit in dem Saale. Romulus Futurus und sein Freund John Crofton warteten die ganze Nacht bis zum Morgen. Sie sahen nichts, hörten nichts und bemerkten nichts; und Romulus Futurus meinte seufzend:
„Sicherlich haben wir sie durch unsere Gegenwart vertrieben.“ Dann besah er die photographische Platte, während seine Hände in fieberhafter Ungeduld zitterten.
Das Bild zeigte die gleiche Erscheinung wie am vergangenen Tage, nur noch ausgeprägter, so daß man selbst das lange, fließende Haar, das bis auf die Hüften wallte, die feinen Linien des Körpers, der in ein durchsichtiges Gewand gehüllt war, erkennen konnte.
Der Astronom rannte in dem astronomischen Saale auf und nieder.
„Ich muß sie kennen lernen!“ rief er ein über das andere Mal. „Ich muß! Diese Erscheinung gewinnt, ich gestehe es, von Tag zu Tag einen größeren Einfluß auf mich, und ich möchte beinahe behaupten, ich sei von einer rasenden, leidenschaftlichen, entsetzlichen Liebe zu ihr erfüllt!“
John Crofton, der das heimliche Schaudern, das ihm dieses Phänomen verursachte, hinter Frivolitäten zu verbergen suchte, entgegnete:
„Nun, bei einem Manne, der gegen Fleisch und Blut so unempfindlich ist wie du, ist’s nichts Wundersames, wenn er sich in Geister verliebt!“
Das Wort fesselte Romulus Futurus Aufmerksamkeit.
„Geister . . .“ wiederholte er. „Das ist sicherlich nicht das richtige Wort, John. Es handelt sich um keinen Geist, und ich glaube auch nicht, daß die Seelen Verstorbener sich uns auf diese Weise bemerkbar machen können.“
„Wie willst du es dann erklären?“ entgegnete John Crofton verwundert. „Auf alle Fälle ist das eine Erscheinung, die ohne Materie, das heißt ohne Fleisch und Blut ist, sonst müßten wir sie doch mit unseren Augen erkennen. Nur die fabelhaft empfindliche Platte war imstande, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“