In der Tat zeigte sich, daß die Wirkung des

Lichtes da sofort aufhörte, wo die Menschen sich hinter solchen Gummiwänden verbargen, denn die Elektrizität prallte wirkungslos an diesen Schutzvorrichtungen ab.

Was aber halfen diese Maßregeln, die den Anstrengungen eines Ameisenhaufens gegen einen Taifun gleichkamen, gegen die furchtbaren Stunden, die jetzt folgten!

Der rote Komet preßte sich förmlich an die Erde heran, und jede Stunde, jeden Augenblick erwartete man den Zusammenprall.

Mit dem herannahenden Untergang der Welt zeigten die Menschen sich plötzlich so wie sie waren. Die einen, die bisher unter der Maske der Tapferkeit paradierten, wurden feige wie Hyänen, andere, die nie aus dem Dunkel ihrer Bescheidenheit hervorgetreten waren, verrichteten Wunder des Mutes und der Arbeit. Alles, was lebensfähig war, das Militär, die Arbeiter, die eben noch gegen die Obrigkeit gefochten, die höchsten Staatsbeamten und die niedersten Bewohner Berlins schafften fieberhaft an der Gummimauer, welche sie vor dem letzten Untergang retten sollte. Aber die Maßnahmen des Kultusministers erwiesen sich gleichfalls als vollständig unzulänglich, denn bald schmolz der Gummi unter der fabelhaften Hitze, die von Stunde zu Stunde wuchs. Die Nacht hatte sich zum Tage gewandelt und der ganze westliche Himmel schwamm in einem Meer von purpurnem Feuer. Myriaden von den verschiedensten Farbentönen, angefangen vom blassesten Rosa bis hinauf zum tiefsten Burgunder, schwammen am Himmel. Schließlich glitten sie zusammen, zerschmolzen, vereinigten sich, und das ganze Firmament war ein einziges Chaos von Blut und Flammen.

Der Schrecken, der die Menschen ergriffen hatte, war unbeschreiblich. Hunderte und Tausende flüchteten sich in die Kirchen. Der Dom im Lustgarten war besetzt von Verzweifelten. In der französischen Kirche am Gendarmenmarkt wurde ein Tedeum abgehalten. Hunderte wieder wurden in ihrer Angst auf die Friedhöfe getrieben, als könnten sie Trost oder Hilfe bei den Verstorbenen finden. Auf dem Luisen- und dem alten Sophienkirchhof drängten sich die von wilder Panik Erfaßten ebenso wie auf dem neuen Gottesacker, der sich bis Freienwalde ausdehnte. Die wenigsten fanden den Mut, in den großen Bauten, die bisher weltlichen Zwecken gedient, Zuflucht zu suchen. Und doch war es das klügste, und die, welche im königlichen Schauspielhaus Zuflucht gesucht hatten, waren wenigstens in den kühlen Hallen halbwegs geschützt gegen die höllische Hitze, die in den Straßen brütete. Viele stürzten in die Keller, um dort für kurze Zeit Kühlung zu finden. Die meisten aber mieden, aus Furcht vor einem Erdbeben, die Häuser und tobten durch die Straßen.

Plötzlich schrie die Menge auf.

Auf dem königlichen Schlosse, das von Tausenden umlagert war, stieg plötzlich eine Feuersäule kerzengerade zum Himmel empor, oder besser, sie war von dort gekommen und stand nun drohend und purpurrot auf dem Dache. Zu gleicher Zeit stürzten mehrere Soldaten tödlich getroffen zu Boden. Im ersten Moment hatte niemand begriffen, was geschehen war, als sich aber die Erscheinung wiederholte, da wußten die Ingenieure sofort Bescheid.

Ein Haus ging sogar in Flammen auf. In ein zweites fuhr der Strahl und tötete beinahe alle Bewohner,

während zu gleicher Zeit die Flammen aus den Fenstern schlugen.