Hier interessiert uns nur der Süden. Aus diesen Bestrebungen erklärt sich die Entdeckung Brasiliens durch den Portugiesen Cabral (1500); die portugiesische Expedition zur Fortsetzung dieser Entdeckung, an welcher Vespucci teilnahm und welche ihn, was irrtümlich sein dürfte, sogar bis zum 52° südl. Br. geführt haben soll (1501); und die Expedition des Gonzalo Coelho (1503), welche allerdings unglücklich verlief und nur das jetzige Bahia erreichte. Schließlich auch die Reise des Spaniers Juan Díaz de Solís, welcher den Rio de la Plata entdeckte und dessen Persönlichkeit das folgende Kapitel behandeln soll.

II.

Juan Díaz de Solís ist Spanier, angeblich aus Lebrija in Andalusien, dessen Leben erst bekannt wird, als nach Columbus’ Rückkehr von seiner vierten Reise (1504) Ferdinand V. ihn und Vicente Yañez Pinzón mit einer Expedition nach Central-Amerika (1506) beauftragt, um jene Erforschungen fortzusetzen. Zwei Jahre später (1508) wurde er zum Piloto Real ernannt und gemeinsam mit Pinzón und Vespucci geht es nun weiter nach Süden, um da eine Umsegelung Südamerikas zu versuchen. Der Küste Brasiliens folgend, gelangten sie angeblich bis zum 40° südl. Br., es scheint aber nicht, als ob sie schon damals den La Plata entdeckt oder erkannt hätten. Nach seiner Rückkehr verklagt und verhaftet, trat Solís in portugiesische Dienste über, kehrte aber später nach Spanien zurück und wurde nach Vespuccis Tode (1512) an dessen Stelle zum »Piloto Mayor del Reino« ernannt; wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste sah man hierbei von den gesetzlichen Bedingungen ab. Da er glaubte, daß das Gebiet der Molukken noch innerhalb der spanischen Besitzungen liege, so beauftragte ihn der König mit einer Expedition, aber die portugiesische Regierung reklamierte und es ist zweifelhaft, ob diese für 1512 geplante Reise zur Ausführung kam.

Inzwischen entdeckte im Jahre 1513 Vasco Nuñez de Balboa die Südsee beim Überqueren des Isthmus von Panamá, und die später in Spanien eintreffenden Nachrichten über »Gold-Castilien«, alles Land, welches im Süden des Isthmus von Panamá lag, veranlaßten Ferdinand V., einerseits dem Gouverneur jenes Landes den Bau von Schiffen zur Erforschung der neuentdeckten Westküsten aufzutragen, andererseits mit Solís wegen einer Expedition Rücksprache zu nehmen, welche eine Durchfahrt nach der Südsee finden sollte, um die spanischen Schiffe in den Rücken von Gold-Castilien führen zu können (llevar las naves españolas á espaldas de Castilla del Oro). Gewiss war Solís selbst an solcher Reise interessiert, wenn auch nicht durch egoistische Motive, wie Fregeiro betont; er verlangte vom König nicht die geringste Vergünstigung, nur seinen Gehalt für anderthalb Jahre voraus. Am 8. Oktober 1515 segelte er mit drei Schiffen von San Lucar ab, lief noch die Canarischen Inseln an und sichtete schließlich das Cap San Roque an der brasilianischen Küste (5° südl. Br.), welche er nun südwärts herabfahrend genauer erforschte, so den Hafen von Rio de Janeiro und Santos. Am 2. Februar 1516 nahm er den »Puerto de Nuestra Señora de la Candelaria«, heute Montevideo, feierlichst für Spanien in Besitz. Die Fahrt ging dann weiter; am 12. März umschifften sie das Steilufer von San Gregorio und »fuhren dann in ein Gewässer ein, welches sehr groß und nicht salzig war und das sie deshalb das ›Süße Meer‹ (›Mar Dulce‹) nannten, anscheinend der Fluß, der heute La Plata und damals Solís genannt wurde«, schreibt der Chronist Herrera (wir werden gleich sehen, worauf dieser Namenswechsel zurückzuführen ist). Die Einzelheiten, welche Solís nun im nördlichen Mündungsgebiet des heutigen La Plata erforschte, sind zum Teil widersprechend und auch den modernen Schriftstellern, welche diese Angaben nachprüften, nicht vollkommen verständlich; es kommt hier auch nicht darauf an. Als Solís Mitte März 1516 mit einigen Begleitern in einer Barke an Land ging, fielen die Guaraní-Indianer über sie her, töteten sie mit Pfeilschüssen, ohne daß die Schiffsartillerie dies hätte verhindern können, »schleppten nun die Getöteten landeinwärts und angesichts der Schiffsbesatzung schnitten sie ihnen Köpfe, Arme und Füße ab, brieten die ganzen Körper und verspeisten sie« (Herrera). Nur ein Schiffsjunge, Francisco del Puerto, wurde am Leben gelassen (s. w. u.). Der Schwager des Solís, Francisco de Torres, übernahm nun das Oberkommando und kehrte im Oktober 1516 nach Spanien zurück; unterwegs gegenüber der brasilianischen Küste an der noch heute so genannten »Ponto dos Naufragados« in der Nähe der Insel Santa Catalina scheiterte noch eins der drei Schiffe, neun Mann der Besatzung konnten sich aber an Land retten und wurden von den Guaranís freundlich behandelt; diese erzählten ihnen, daß es ganz weit im Westen eine Gegend gäbe, sehr reich an kostbaren Metallen (das heutige Bolivien). Begeistert von diesen Erzählungen, nannten sie daher jene Gegend die »Sierra de la Plata« und bald machten sich auch sechs von ihnen auf, sie zu suchen. Unter Führung des Portugiesen Alejo García zogen sie ins heutige Paraguay, begleitet von 2000 Indianern, kämpften oder verhandelten mit den Indianerstämmen des Chaco, die sie antrafen, und erreichten als erste Europäer schließlich das Land der Inkas. Die bolivianischen Indianer aber zwangen sie zur Rückkehr, die sie in guter Ordnung mit silbernen und goldenen Wertsachen beladen antraten. Von Paraguay aus, wo sie blieben, sandten sie ihren zwei zurückgebliebenen Gefährten Briefe und drei Arrobas Silber, auch Goldsachen. Der Kapitän Rodrigo de Acuña, der im Juni 1526 zu jener Küste kam, wollte jene Sachen mit nach Spanien nehmen, das Boot kenterte aber wegen des hohen Seeganges und es wurde fast nichts von dem kostbaren Metalle gerettet, aber wenigstens kam das Gerücht von einer Gegend mit vielem Silber nach Spanien. Diese für die Entdeckungsgeschichte sehr wichtigen Angaben sind erst neuerdings von Dominguez richtig beleuchtet worden; sie sind für die allgemeine Erdkunde von Wichtigkeit, weil dadurch ein Teil der Seefahrer von der Reise nach »Malucos« (»voy á Malucos«), deren Zugang Magallanes bald entdecken sollte, abgelenkt und nach jenen »Silberländern« geleitet werden sollte.

III.

Die weltberühmte Fahrt des Fernando de Magallanes und die Lösung des so lang ersehnten geographischen Problems durch ihn ist so bekannt, daß wir hier von einer wenn auch nur kurzen Schilderung absehen können. Interessant für die Zwecke dieser Zeilen sind gewisse Einzelheiten seiner Reise; am Abend des 13. Januar 1520 fuhren die Seefahrer ein in den Rio de Solís, segelten zwei Tage und sichteten »einen Berg ähnlich einem Hute« (»una montaña hecha como un sombrero«), den sie »Monte Vidi« nannten. Magellanes ließ durch seine Schiffe darauf die gesamten Küsten und Zuflüsse jenes mächtigen Beckens erforschen, um eine Durchfahrt zu finden, und segelte Anfang Februar nach Süden weiter. Seiner Tatkraft gelang es, bis zu den Philippinen zu dringen, wo er am 27. April 1521 durch die Eingeborenen den Tod finden sollte; 18 erschöpfte Seefahrer unter dem Kommando des Sebastian del Cano langten schließlich als erste Weltumsegler auf einem Schiffe, der Victoria, am 6. September 1522 in Spanien wieder an.