Während Loaisa (1525–1526) die Fahrt durch die heute nach ihrem Entdecker benannte Magellanstraße wiederholte, wurde im Frühling des Jahres 1526 der Venezianer Sebastian Cabot, spanisch Gaboto, von Sevilla ausgesandt, um durch die Magellanstraße zur Südsee, zu den Molukken und »nach Ophir, China und Japan« zu gehen. Aber bei seiner Ankunft in Pernambuco (6. Juni 1526) erfuhr er durch den Geschäftsführer der Faktorei, Manuel de Braga, von den vermeintlichen Reichtümern des von Juan Díaz de Solís entdeckten Landes und diese Angaben wurden ihm von einem andern Portugiesen Gomez Arbolancha bestätigt, der dort in der Verbannung lebte. Auf seiner Weiterfahrt stieß dann Cabot bei der Insel Santa Catalina auf einen Trupp portugiesischer Seeleute und Soldaten, die von einem zur Flotte des Loaisa gehörenden Schiffe desertiert waren, welches unter dem Kommando des Rodrigo de Acuña nach Spanien zurückkehrte und, wie wir schon sahen, die Nachrichten von einem Silberlande mit nach drüben nahm. Cabot sprach auch jene zwei an der Küste gebliebenen Gefährten des Alejo García, welche ehemals zur Expedition des Solís gehört hatten, und diese erzählten ihm natürlich auch von den Schätzen, die sie aus dem Innern von ihren Kameraden erhalten hatten, und die Acuña hatte mitnehmen sollen. Cabot gab daher auf Grund dieser Nachrichten und gewiß auch wegen Zwistigkeiten mit seinen Kapitänen den ursprünglichen Reiseplan auf und segelte nach dem Río de Solís, wo er am 17. April 1527 an der östlichen Küste gegenüber der Insel Martín García ankerte. Hier fand er jenen Francisco del Puerto wieder, der nicht wie Solís und seine Gefährten dem Kannibalismus zum Opfer gefallen war und die Guaraní-Sprache erlernt hatte. Dieser erklärte, um zum Goldlande zu kommen, müsse man den Paraná herauffahren bis zum Carcarañá, der von den Bergen des Innern herabkomme. Cabot folgte diesem Rate und an besagter Stelle gründete er am 27. Mai 1527 das Fort »Sancti Spiritus«, die erste spanische Niederlassung auf heute argentinischem Boden, ein guter Stützpunkt für weitere Stromfahrten nach dem Innern, heute nur durch einen Rancho gekennzeichnet (s. den Aufsatz von Outes). Von hier machte Cabot eine große Stromfahrt Paraná aufwärts bis zum heutigen Itatí, von den Guaranís gastlich mit Proviant versorgt, die Nachrichten von der Herkunft einiger Silber- und Goldsachen veranlaßten ihn aber, am 28. März 1528 wieder zurück und in den Paraguay einzufahren. Durch Vermittlung der Indianer erfuhr er von der Ankunft des Diego García am Río de Solís, welcher kurz nach Cabot von Spanien abgereist war, nun auch nach »Sancti Spiritus« gelangte und von hier am 10. April auch den Paraná aufwärts fuhr. Cabot hatte inzwischen einen Bergantinführer den Río Bermejo vorausgesandt, um mit den Agaes (Payaguas) friedlich zu verhandeln, da diese viel Geld und Silber haben sollten, die Indianer schickten aber die Abenteurer übel zurück und Cabot kehrte wieder um, begleitet von Diego García, mit dem er sich auf dem Paraná getroffen hatte. In Sancti Spiritus, wo sie Ende April 1828 anlangten, kam es bald zwischen beiden Führern zu Differenzen; Cabot sandte Nachricht nach Spanien und hielt den Diego García fest, beide machten aber schließlich doch gemeinsam eine neue Reise den Paraná und Paraguay aufwärts, wahrscheinlich bis zur Mündung des Pilcomayo. Nach Sancti Spiritus zurückgekehrt, fuhren sie bald weiter flußabwärts bis zu einer San Salvador genannten Stelle, während ihrer Abwesenheit wurde aber das Fort von den Indianern gestürmt (Ende August oder Anfang September 1529) und die Hälfte der Besatzung umgebracht; die andere floh flußabwärts bis San Salvador. Cabot und García kehrten zwar noch einmal zum zerstörten Fort zurück, warteten dann aber in San Salvador auf Hilfe aus Spanien, und da diese ausblieb, fuhren sie Ende Dezember 1529 heim, Silbersachen und Indianersklaven mitbringend. In dem gegen Cabot eingeleiteten Verfahren wurden dann die oben skizzierten Vorgänge klar gestellt.


Die Expedition des Portugiesen Martim Affonso de Sousa hatte den Zweck, Gold und Silber zu holen aus dem Lande, von dem nun nach Cabots Rückkehr die ganze iberische Halbinsel sprach. Er fuhr die ganze brasilianische Küste herab und hielt sich Ende 1531 auch im La Plata-Becken auf, hatte aber mit Unfällen zu kämpfen und kehrte wieder nach Portugal zurück. Sein unberechtigtes Eingreifen in spanisches Gebiet hatte diplomatische Reklamationen zur Folge.

IV.

Die Nachrichten von dem Reichtume der neuen Länder, von denen wir schon gesprochen haben, neu geschürt durch die Heimkehr des goldbeladenen Pizarro aus Perú, veranlaßten eine Menge Projekte am spanischen Hofe. Schließlich erhält Don Pedro de Mendoza den offiziellen Auftrag, »ir á conquistar y poblar las tierras y provincias que hay en el río de Solís, que llaman de la Plata, y por allí calar y pasar la tierra hasta llegar á la Mar del Sur« (»auszuziehen, um die Länder und Provinzen am Río de Solís, der Silberstrom genannt wird, zu erobern und zu kolonisieren, und daselbst einzudringen und über Land zur Südsee zu gelangen«). Wenn also auch zum ersten Male von Kolonisieren die Rede ist, so war für Mendoza die Haupttriebsfeder sicher der Gedanke, zur Sierra de la Plata zu gelangen, und so versteht sich seine großartige Expedition, welche für die spätere Geschichte der »Silberländer« oder »La Plata-Staaten« von fundamentaler Bedeutung werden sollte; man kann sagen, daß sie damit eigentlich anhebt (siehe P. Larrouy).

Über diese so wichtige Expedition sind wir vorzüglich unterrichtet durch einen deutschen Landsknecht Ulrich Schmidel aus Straubing, welcher mit dabei gewesen war und nach glücklicher Heimkehr alles sorgfältig zu Papier brachte sine ira et studio; sein Werk bildet so die unparteiische Darstellung jener hochwichtigen Vorgänge, von welcher aus die persönlich gefärbten Berichte der einzelnen Heerführer richtig beurteilt werden können. Ulrich Schmidel ist daher »der erste Geschichtschreiber des Rio de la Plata«; niemand Geringerer als Don Bartolomé Mitre hat in einem prächtigen Werke seine Verdienste hervorgehoben, und sämtliche argentinischen Geschichtsschreiber nehmen sein Buch als Grundlage ihrer Schilderung der ältesten geschichtlichen Ereignisse auf heut argentinischem Boden. Doch davon noch zum Schlusse dieser Zeilen. Geben wir das Wort zunächst Mondschein, der uns über die Persönlichkeit des Mannes im Jahre 1881 unterrichtet hat.

»Ulrich Schmidel stammte aus einer hochangesehenen Patrizierfamilie Straubings, die mit dem ältesten Ratsgeschlechte der Stadt, den Zellern, vielfach verschwägert war. Ein Schmidel erscheint zuerst nach einer allerdings nicht verbürgten Angabe anno 1364, in welchem Jahre ein Peter Schmidel gestorben sein soll. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts begegnen uns Mitglieder der Familie häufig als Lehenträger der Azlburg bei Straubing, sowie in den höchsten gemeindlichen, herzoglichen und bischöflich-augsburgischen Ämtern, als Zechverweser, fürstlicher Rat, Zollner, Symonkastner. Die Familie lieferte der Stadt nachweisbar von 1449–1535 nicht weniger als 15 Stadtkämmerer oder Bürgermeister. Durch den stets geldbedürftigen Kaiser Friedrich III. erhielt sie ein Wappen verliehen, einen nach links gewendeten schwarzen Stierrumpf im weißen Felde, eine Krone um die Hörner. 1506 befand sich Wolfgang Schmidel als Bürgermeister der Stadt mit unter den Abgeordneten, welche zum Vergleiche am Schlusse des Landshuter Erbfolgestreites in diese Stadt zusammenberufen worden waren. Über die späteren Schicksale der Familie ist wenig bekannt. Ein Joh. Georg Joseph Schmidel in Straubing wird durch Kaiserliche Ernennung vom 12. August 1696 geadelt, in Bayern bestätigt und »von« bewilligt am 26. Mai 1698. Ein Zusammenhang mit dem alten Ratsgeschlechte war nicht nachzuweisen, vielmehr scheint nach dem bisherigen Stande der Kenntnis die Familie mit dem unverheirateten Ulrich Schmidel, in der Hauptlinie wenigstens, zu Regensburg ausgestorben zu sein.