Das Geburtsjahr Ulrich Schmidels ist nicht bekannt, ebensowenig wie sein Sterbejahr, da leider die Geburts- und Sterbematrikeln der Straubinger Pfarrämter nicht so weit zurückreichen. Über seine Jugend ist nichts bekannt, doch scheint er eine bessere Erziehung genossen und eine lateinische Schule besucht zu haben ...... Sein Vater war Wolfgang Schmidel, der dreimal als Bürgermeister der Stadt, als Lehensträger der Azlburg, des Spitales und des dem Domkapitel Augsburg zustehenden Zolles erscheint; unser Ulrich ist wahrscheinlich zwischen 1500 und 1511 in einer zweiten Ehe seines Vaters geboren, hatte aber beim Antritt seiner Reise ein Alter von wenigstens 24 Jahren, was recht gut annehmbar erscheint. »Ulrich hatte 2 Brüder, Friedrich und Thomas, welch letzterer viermal als Bürgermeister der Stadt und später als Rat erscheint.« Mondschein fügt diesen Angaben noch eine Stammtafel des Geschlechtes Schmidel bei.
»Über die Gründe,« fährt Mondschein fort, »die Ulrich Schmidel bewogen, an der Expedition Mendozas teilzunehmen und wie er nach Antwerpen kam, gibt er selbst keinen Aufschluß, die Angabe Gumpelzhaimers, er sei als Handelsbeflissener dahin gekommen, entbehrt zwar nicht der Wahrscheinlichkeit, ist aber nur mit dem allgemeinen Hinweis auf die vorhandenen Akten (wo?) und auf seine Reisebeschreibung begründet.« Ich füge ergänzend zu, daß auch Dominguez im Vorworte zu seiner englischen Übersetzung auf die gleiche Vermutung kam. »Dafür, daß ihn die Lust an Abenteuern vom stillen Strand der Donau in die Ferne trieb, spricht auch, daß er als gemeiner Soldat Dienste nahm, wie er denn auch nie ein Kommando inne hatte ...... Aber wenn auch nur gemeiner Soldat, war Ulrich Schmidel gewiß ein tüchtiger Kriegsmann, wie niemand in Abrede stellen wird, der sein Werk zur Hand genommen. Als Hauptmann Gonzalo Mendoza sich sechs tüchtige Soldaten zu einer Meerfahrt auswählte, nahm er Schmidel nebst fünf Spaniern, und während einer Unternehmung wird er einmal neben dem Hause des befreundeten indianischen Häuptlings »einfuriert«. Bei dem späteren Zuge nach Perú waren viele Leute vor Durst umgekommen und als die Eroberer in ein Dorf kamen, wo nur ein einziger Brunnen vorhanden war, wurde Schmidel die Wache an demselben übertragen, wobei er bei Edel und Unedel, bei männiglich große Gunst und Gnade erlangte, denn er war damit nicht zu »genausichtig«. Als er endlich nach 19jährigem Aufenthalte im Lande, wobei er anscheinend noch keineswegs an die Heimkehr dachte, einen Brief seines Bruders Thomas aus Straubing erhielt und daraufhin Urlaub begehrte, wollte ihm der Befehlshaber Irala denselben anfangs nicht gewähren, offenbar weil er den kriegserfahrenen Schmidel ungern entbehrte. Welch verwegene Kühnheit aber in diesem Manne steckte, das zeigte er in dem Entschlusse, den er auch glücklich durchführte, den Weg von Asunción nach San Vicente, wo eben ein portugiesisches Schiff lag, zu Lande zu nehmen. Ein einzelner Mann und 20 Indianer, wozu sich noch vier Deserteure gesellten, zog er ohne Weg noch Steg über Berg und Tal, durch dichte Urwälder und zahlreiche Sümpfe mitten durch Indianerstämme hindurch, die zwei seiner Gefährten auffraßen, ein Schicksal, das auch ihm drohte, 376 Meilen weit an die Küste. Sein früherer Oberbefehlshaber, Alvar Nuñez Cabeza de Vaca hatte mit 250 Mann fast denselben Weg genommen, dabei aber nahezu die Hälfte infolge der Strapazen verloren. Schmidel war in der Tat vom Glück in hohem Maße begünstigt.« ....
Am 24. Juni 1553 verließ dann Schmidel in San Vicente an der brasilianischen Küste die Länder, in welchen er durch achtzehn seiner besten Jahre ein rauhes Kriegsleben geführt. Nach viermonatlicher Überfahrt, auf welcher Spiritu Santo in Brasilien und die Azoreninsel Tercera angelaufen wurde, ward Lissabon erreicht. Schmidel begab sich von hier per Post nach Sevilla zu den Räten Sr. Majestät (des Indienhauses), der berühmten Casa de Contratación, seinen Auftrag auszurichten und seinen Brief Iralas abzugeben. Nach vierwöchentlichem Aufenthalt reiste er über San Lucar nach Cadix, um sich hier auf einem holländischen Fahrzeuge nach Antwerpen einzuschiffen und ließ alle seine Habe an Bord bringen. Der Schiffer, der dieselbige Nacht etwas zu viel gezecht hatte, stach ohne ihn in See, das Schiff ging aber durch ein merkwürdiges Mißgeschick bei Cadix zugrunde. »Durch einen glücklichen Zufall kam so zwar Schmidel mit dem Leben davon, aber er verlor durch diesen Schiffbruch all sein Hab und Gut, Papageien und was er sonst seiner staunenden Vaterstadt zu zeigen vorhatte, so daß er nach der glücklich vollbrachten Seefahrt über die Insel Wight und die Stadt Arnemniden den Boden des Vaterlandes zu Antwerpen, am 26. Januar 1554, ebenso arm betrat, wie er war, als er 20 Jahre früher davon wegfuhr.« »Er kam gerade noch rechtzeitig genug, um den Bruder am Leben zu treffen, der schon am 20. September desselben Jahres das Zeitliche segnete.«
Schmidel wurde durch die Erbschaft wohlhabend und blieb nun die nächsten Jahre in Straubing, wo er seine Muße mit der Abfassung seiner Reisebeschreibung ausfüllte. Wenigstens ist dies wahrscheinlicher, als daß er 1562 bis 1563 in Regensburg daran schrieb. 1562 wurde er nämlich als Anhänger der Lehre Luthers nebst anderen Straubinger Bürgern von Herzog Wilhelm ausgewiesen; »als der letzte seines Stammes verließ er die Vaterstadt, in der Brüder, Vater, Großvater, alle seine Ahnen, soweit sie bekannt, die einflußreichsten Stellen bekleidet hatten, und begab sich mit anderen nach der benachbarten duldsamen freien Reichsstadt Regensburg.«
Am 21. Mai 1563 wurde er in Regensburg als Bürger aufgenommen. Er war sehr geachtet und kaufte sich ein Haus, das heute noch steht und durch eine Denktafel gekennzeichnet ist. Noch heute werden von dem jetzigen Besitzer desselben eine Anzahl Kuriositäten aufbewahrt, die wohl aus dem Nachlasse Schmidels stammen. Hier in Regensburg nun »verlebte Ulrich Schmidel, der letzte seiner Familie, in Ruhe den Rest seines vielbewegten Lebens, in Regensburg muß er auch begraben sein. Sein Todesjahr ist ebensowenig bekannt wie sein Geburtsjahr.«
Lassen wir nun inhaltlich Schmidels Buch an uns vorüberziehen; genauer darauf einzugehen ist bei dem langen Zeitraum von 20 Jahren, den es behandelt, und bei der Fülle der Vorkommnisse gar nicht möglich; wir wollen ja auch nicht die älteste Geschichte der La Plata-Länder schreiben, sondern auf die fundamentale Wichtigkeit von Schmidels Werk hinweisen. Ich lasse mich im folgenden hauptsächlich von Mondschein und Langmantel führen.
Schmidel reiste 1535 von Antwerpen nach Cadix. »Bei ernennter Stadt Cadix sind gewest 14 große Schiff, von aller Munition und Notdurft wohl gerüst, die haben wollen fahren nach Rio de la Plata in Indiam. Auch sind allda gewesen 2500 Spanier und 500 Hochdeutsche, Niederländer und Sachsen und unser aller oberster Hauptmann, welcher mit seinem Zunamen geheißen Don Pedro Mendoza.