Unter diesen 14 Schiffen hat eins gehört den Herren Sebastian Neithart und Jakoben Welser zu Nürnberg, so ihren Factor Heinrich Paimen mit Kaufmannschaft nach Rio de la Plata geschickt. Mit denen bin ich und andere Hochdeutsche (und) Niederländer, ungefähr bis in die 80 Mann, wohl gerüst mit Büchsen und Gewehr, nach Rio de la Plata gefahren.«
Wir Deutsche hier am La Plata lesen mit Rührung die schlichte Nachricht vom ersten deutschen Handelsschiffe, welches herkam; der Anteil der Welser an der Entdeckung Südamerikas und ihre Besetzung Venezuelas ist ja bekannt.
Nachdem so Mendoza die Streitkräfte für sein Unternehmen in Cadix gesammelt, fuhr die Flotte am 24. August 1535 von Sevilla ab, mußte aber noch einen achttägigen, durch ungünstigen Wind veranlaßten Aufenthalt in San Lucar de Barrameda nehmen. Auf den Kanarischen Inseln blieben sie ebenfalls vier Wochen; eine Liebesgeschichte brachte hier das deutsche Schiff und den Heinrich Paimen in Gefahr; Don Jorge Mendoza, ein Vetter des Oberbefehlshabers, der sich an Bord desselben befand, entführte nächtlich ein Mädchen und die Kanarier beschossen darauf das Schiff mit Kanonen; nur dadurch, daß der Entführer das Mädchen für seine legitime Frau erklärte und zurückbleiben mußte, wurde die Sache beigelegt; »nach dem ließen wir Don Jorge Mendoza und seine Hausfrau an Land, denn unser Hauptmann wollt ihn nit an seinem Schiff mehr haben.« Endlich geht es weiter zu den Capverdischen Inseln, zur Insel Fernando Noronha und nach Rio de Janeiro; hier ernennt der Oberbefehlshaber den Juan de Osorno, seinen »geschworenen Bruder«, zum Maestro de Campo, da er selbst »allzeit contract, schwach und krank war«, läßt ihn aber auf falsche Anschuldigung hin bald darauf töten.
Die Reise geht nun weiter in die Mündungsbucht des Río de la Plata; bei San Gabriel (heute Colonia) im Gebiete der Charrúas landen sie am 6. Januar 1536, suchen aber bald eine neue Stelle auf der Südseite des Golfs im Gebiete der Kerandís (März 1536); an der Mündung des Riachuelo, der damals diesen Namen bekam, »haben wir eine Stadt gebaut, hat geheißen Buenos Ayres, das ist auf deutsch: Guter Wind. Wir haben auch 72 Pferd und Stuten aus Hispanien auf den 14 Schiffen gebracht.« Es ist bekannt, daß diese Pferde sich zahllos vermehrten und in wilden Herden sich bald im ganzen Land verbreiteten. Der Name der Niederlassung, ehemals vollständig Nuestra Señora Santa Maria de Buen Ayre oder Nuestra Señora de Buenos Ayres, wurde ihr gegeben zu Ehren von »Nuestra Señora de Buen Ayre«, welcher schon vor der Entdeckung Amerikas in der Triana genannten Stadtgegend Sevillas und am Ufer des Guadalquivir ein Hospital nebst Kapelle geweiht war und deren Kultus eine »Bruderschaft der Seeleute« übernommen hatte; hatten ja Seeleute bei der damaligen Schiffahrt ein berechtigtes Interesse an günstigen Winden! Die in deutschen Kreisen übliche Übersetzung als »Stadt der guten Lüfte« ist daher unsinnig, wird allerdings entschuldigt durch die weitbekannte, phantastische Angabe des Dichters Ruy Díaz de Guzmán (der auch sonst unzuverlässig ist): der erste, welcher an Land sprang, ein gewisser Sancho del Campo, habe angesichts der Reinheit und Frische der Luft ausgerufen: »Qué buenos aires son los de este suelo!« (Wie gut sind die Lüfte in diesem Lande!)
Der Tag dieser ersten Gründung der Stadt ist nicht bekannt, es war etwa Mitte März 1536 (Schmidel rechnete nach einem anderen Kalender und schreibt 1535, wie man es noch irrtümlicherweise vielfach antrifft; die meisten Jahreszahlen Schmidels müssen um ein Jahr weiter datiert werden, wie es Lafone Quevedo festgestellt hat).
Der Verkehr mit den Eingeborenen, den Kerandís, war anfangs friedlich; als diese aber einmal nicht ins Lager kamen, wurde der Oberrichter Pavón mit zwei Knechten zu ihnen geschickt, »hielten sich aber dermaßen, daß sie alle drei wohl abgebläut wurden und schicktens alsdann wieder heim in unser Lager«.
»Daraufhin«, excerpiert Mondschein, »schickte Mendoza seinen Bruder mit 300 Landsknechten (unter ihnen auch Schmidel) und 30 Reitern gegen die Indianer mit dem Befehle, sie alle tot zu schlagen. Diese, in einer Anzahl von 4000, stellten sich derartig zur Wehr, daß sie den Spaniern sechs Edelleute mit ihrem Führer, dem Admiral Don Diego de Mendoza, und zwanzig Knechte erschlugen. Die Reiter überwanden sie vermittelst steinerner Kugeln, die an einer langen Schnur befestigt waren (Boleadoras) und mit denen sie die Pferde zu Falle brachten, die Knechte erschossen sie mit Speeren. Die Indianer ergriffen zuletzt, nachdem sie tausend der Ihrigen verloren, die Flucht und die Spanier drangen, ohne Gefangene zu machen, in den Flecken ein. Nach der Rückkehr ins Lager wurde die Mannschaft in Arbeitsleute und Kriegsleute abgeteilt. ›Und man bauet daselbst eine Stadt und eine erdene Mauer eines halben Spieß Länge hoch darum, und ein stark Haus für unsern Obersten, die Stadtmauer breit drei Schuh, und was man alles bauet, das fiel alles wieder ein, denn das Volk hatte nicht zu essen, starb vor Hunger, hatten also große Armut.‹
Die Not wurde derart, ›daß weder Katzen noch Mäuse, Schlangen noch ander Ungeziefer nit genug vorhanden waren zur Ersättigung des großen jämmerlichen Hungers und unaussprechlicher Armut, auch Schuh und Leder, es mußt alles geessen sein.‹ Drei Spanier hatten ein Roß gestohlen und heimlich verzehrt. Durch die Folter zum Geständnis gezwungen, wurden sie alle drei gehenkt. ›Auf die Nacht sind andere Spanier zu diesen dreien Gehenkten zum Galgen kommen und haben ihnen die Schenkel abgehaut und Stücke Fleisch aus ihnen geschnitten zur Ersättigung ihres Hungers. Item ein Spanier aß seinen Bruder, der da gestorben war in der Stadt Buenos Aires.‹«