In dieser Not »sandte Mendoza den Hauptmann Luján mit 7 Fahrzeugen und 350 Mann stromaufwärts, Lebensmittel von den Indianern zu holen; aber diese verbrannten ihre Wohnstätten und Lebensmittel und flohen davon, so daß Luján ohne jeden Erfolg umkehren mußte, nachdem er die Hälfte seiner Leute durch Hunger verloren.

Da, es war am 27. Dezember 1536, erschienen plötzlich 23 000 Indianer von den Stämmen der Kerandís, Guaranís, Charrúas und Chaná Timbús vor der Stadt, schossen mit brennenden Pfeilen die strohgedeckten Lehmhütten in Brand und liefen Sturm gegen die Stadt. Es gelang ihnen sogar, vier Schiffe, die eine Meile vom Ufer vor Anker lagen, in Brand zu schießen, so daß sie von der bestürzten Besatzung verlassen werden mußten. Erst als die Schiffskanonen gegen sie abgefeuert wurden, zogen sie ab, nachdem sie dreißig Europäer erschlagen.

Daraufhin wurde beschlossen, die Unglückstätte zu verlassen. Mendoza übergab den Oberbefehl dem Don Juan Ayolas, der eine Musterung hielt, wobei sich von den 2500 Mann nur mehr 560 am Leben erwiesen, alle übrigen waren durch Hunger umgekommen! Ayolas ließ 180 bei den vier großen Schiffen unter Juan Romero mit Proviant zurück, er selbst und mit ihm Mendoza fuhr auf Brigantinen 84 Meilen weit den Strom hinauf zu den Timbús ....... in den Flecken der Indianer, den sie Buena Esperanza hießen.

Vier Jahre lang blieben sie in Buena Esperanza, also von 1536 bis etwa 1539; während dieser Zeit beschloß Mendoza, der vor Schwachheit weder Hände noch Füße rühren konnte und wohl am Erfolge der Unternehmung gänzlich verzweifelte, nach Spanien heimzukehren. Mit zwei Schiffen und 50 Mann trat er die Rückfahrt an, aber ungefähr auf halbem Weg ›da griff ihn Gott der Allmächtige an, daß er armselig starb, Gott sei ihm gnädig!‹«.

Absichtlich haben wir die ältesten Vorgänge etwas ausführlich gehalten, da sie sich in Buenos Aires abspielten und uns am meisten interessieren. Nun müssen wir uns kürzer fassen.

Ayolas, der in Buena Esperanza geblieben war, was auch Corpus Christi genannt wurde und nicht weit von jenem früheren Fort Sancti Spiritus lag, fuhr auf Mendozas Befehl den Paraná und Paraguay herauf bis zum 21° s. Br., überall von den Indianern freundlich aufgenommen und mit Lebensmitteln unterstützt; hier ließ er Domingo Martínez de Irala zurück, der auf ihn warten sollte, während er selber nach Westen zur »Sierra de la Plata« aufbrach, geführt von einem Indianer, der ehemals jenem früher erwähnten Alejo García gedient hatte. Mendoza, der damals noch in Buenos Aires weilte, schickte den Juan de Salazar aus, um Nachrichten den Ayolas betr. einzuholen. Salazar traf auch den wartenden Irala und kehrte wieder flußabwärts zurück und auf der Heimreise gründete er am 15. August 1537 neben dem Indianerdorfe Lambaré ein Fort, genannt Nuestra Señora de Asunción. Hier ließ er einige dreißig Mann und reiste zurück nach Buenos Aires, wo er den Mendoza nicht mehr antraf. Die folgenden Monate vergingen mit Hin- und Herreisen zwischen Buenos Aires, Corpus Christi und Asunción; Irala wartete unterdessen immer noch auf Ayolas.

Ende des folgenden Jahres (1538) kam aus Spanien ein Gesandter mit der Nachricht vom Tode Mendozas und dem Auftrage, die Conquistadores sollten selber einen Führer wählen, falls Mendoza vor seiner Abreise keinen solchen ernannt hätte. In Asunción vereinigten sich nun die hauptsächlichsten Persönlichkeiten; es kam auch Irala herunter und zeigte eine von Ayolas ausgestellte Vollmacht, wonach ihm die gleichen Befugnisse zuerkannt wurden, die er selber besaß (Juni 1539). Alle mußten ihn daraufhin als Führer anerkennen.

Irala kehrte nun wieder auf seinen Warteposten weiter nordwärts zurück und erfuhr schließlich das Schicksal des Ayolas: der war wirklich bis zur Sierra de la Plata gelangt und hatte Reichtümer erbeutet, wurde aber auf der Rückkehr von den Payaguás überfallen und mit allen seinen 120 Leuten niedergemacht. Irala kehrte nun nach Asunción zurück und beschäftigte sich mit administrativen Angelegenheiten; um seine Besatzung zu verstärken, reiste er nach Buenos Aires und hob die dortige Niederlassung auf, da auch die Zerstörung des Forts Corpus Christi durch die Indianer eine kritische Lage geschaffen hatte; ein Schiff, welches er nach Santa Catalina sandte, um neue Lebensmittel zu holen, scheitert, Schmidel wird aber glücklich gerettet. Irala nahm nun die ganze Mannschaft nach Asunción, wo er seinen Kommandoposten bis zur Ankunft des Alvar Núñez Cabeza de Vaca inne behielt; Buenos Aires wurde also fünf Jahre nach seiner ersten Gründung aufgegeben (Mai 1541).