Alvar Núñez, in Spanien zum Oberbefehlshaber der La Plata-Länder ernannt, reiste November 1540 von Cadix mit vier Schiffen und 400 Soldaten ab. Im März 1541 kam er in Santa Catalina an der brasilianischen Küste an und sandte von hier aus seinen Neffen zu Schiff nach Asunción, während er selber dorthin über Land zog, wie zuerst Alejo García. In Asunción übernahm er das Kommando; den Irala sandte er flußaufwärts zur Erforschung des Landes und ackerbautreibender Stämme; nach dessen Rückkehr unternahm er selber einen Zug nach Perú, mußte aber auf Anraten seiner Offiziere und durch Krankheit genötigt wieder umkehren. Darauf sendet er eine kleine Schar unter Befehl des Hernando Rivero den Paraguay weiter hinauf, die Expedition kehrte auch goldbeladen glücklich zurück. In Asunción hatte sich inzwischen eine Strömung gegen Núñez gebildet; zwischen seinen und des Irala Anhängern kam es zur Revolution, die damit endete, daß Alvar Núñez gefangen und jener zum Oberbefehlshaber ernannt wurde (April 1544). Nach zehnmonatlicher Haft wurde er nach Spanien zurückgeschickt und dort zu Verbannung verurteilt, erhielt aber später seine Rechtfertigung wieder. Die Unruhen zwischen den beiden Parteien dauerten in Asunción noch länger fort. Die Indianer benutzen die Gelegenheit zu Überfällen und Irala hat viel damit zu tun. Nach Herstellung der Ruhe beschließt er gleich seinem Vorgänger das Silberland aufzusuchen; er reist mit einer starken Schar Spanier und Indianer Paraguay aufwärts bis San Fernando, läßt hier bei den Schiffen eine Bedeckungsmannschaft mit Proviant für zwei Jahre zurück und zieht landeinwärts weiter. Sie treffen mit den verschiedensten Indianerstämmen zusammen, die Schmidel alle nennt; der bei den Paresís herrschende Wassermangel macht bei dem einzigen Brunnen eine Wache nötig, welche Schmidel übertragen wird. Die Entscheidung des Loses, welches jetzt befragt wird, fällt auf Weitermarsch; das geschieht auch, aber Landboten des Vizekönigs von Perú, de La Gasca, der eben den Pizarro hatte hinrichten lassen, verbieten den Weiterzug, und auch eine Gesandtschaft, die Irala nach Lima sandte, richtet nichts aus! (Wie doch schon zu Beginn der spanischen Kolonialherrschaft der Keim ihres Zerfalles zu finden ist!) Irala kehrt also auf dem gleichen Wege wieder um und gelangt nach anderthalbjähriger Abwesenheit wieder zur Schiffsstation San Fernando, wo er die Usurpation des Abrigo vernimmt. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit zum Oberbefehlshaber aufgeworfen, da er der Meinung war, Iralas Unternehmen sei in gleicher Weise gescheitert wie das des Ayolas; den von Irala zum Befehlshaber von Asunción ernannten Francisco Mendoza, der ihm die Anerkennung versagte, hatte Abrigo hinrichten lassen. Irala belagerte nun Asunción, da sich aber bald der größere Teil der Besatzung für ihn erklärte, so flüchtet der Empörer mit 50 Mann in die Wälder und es beginnt ein zweijähriger Kriegszustand, der mit einem »Convenio« endet.
Zu dieser Zeit erhielt Schmidel, der alle diese Vorgänge miterlebt, einen Brief seines Bruders, der ihn zur Heimkehr bewog. Irala läßt ihn ungern ziehen und beauftragt ihn, ein Schreiben für die Casa de las Indias mitzunehmen. In der Beschreibung von Schmidels Leben haben wir seine weiteren Schicksale schon behandelt: er reist über Land an die brasilianische Küste, von hier nach Spanien, richtet seinen Auftrag aus und gelangt glücklich wieder in seine Heimatstadt Straubing. –
Schluß.
Die »Warhafftige und liebliche Beschreibung etlicher furnemen Indianischen Landschafften und Insulen, die vormals in keiner Chronicken gedacht, und erstlich in der Schiffart Ulrici Schmidts von Straubingen, mit großer gefahr erkundigt, und von ihm selber auffs fleissigst beschrieben und dargethan« (zum ersten Mal gedruckt Frankfurt a. M. 1567) wird von den Geschichtschreibern hochgeschätzt. Wir kennen etwa 20 verschiedene Ausgaben; übersetzt wurde sie schon sehr früh ins Lateinische, später ins Holländische, Französische, Englische, Spanische. Letztere Übersetzung, von 1742, wurde 1836 von Angelis in seiner berühmten Sammlung in Buenos Aires wieder aufgenommen, welche 1901 zum Teil neu gedruckt wurde. Ich beschränke mich auf die Wiedergabe argentinischer Urteile über ihn. Azara Ende des 18. Jahrhunderts nennt das Buch »la mas puntual de todas las historias antiguas en las situaciones y distancias de los lugares y naciones que describe«. Angelis bezeichnet es als »das erste Denkmal unserer Geschichte und die einzige Quelle, aus der alle die schöpfen müssen, welche die ersten Schritte der Europäer in diesen fernen Gegenden verfolgen wollen«; den Verfasser charakterisiert er als den »escritor mas circunspecto de su época«.
Pelliza in seiner Schmidelausgabe, welche 1881 in Buenos Aires erschien, nennt ihn einen »hombre de admirable fortaleza de ánimo y de no vulgar inteligencia«, »prudente y valeroso en toda la série de campañas«; »su libro contiene las primeras y mas exactas noticias que se han consignado sobre la colonización de esta parte de América«.
Im Jahre 1891 erschien zu London eine englische Übersetzung, besorgt für die Hakluyt Society von dem dortigen argentinischen Gesandten Luis L. Dominguez. In einem prächtigen Foliowerke hat im Jahre 1890 der berühmte General Mitre Schmidels Verdienste hervorgehoben. Er nennt ihn einen »observador atento y tranquilo de la naturaleza, sin imaginación y despreocupado« ... »narra seca y concisamente los hechos, establece las fechas, determina las distancias, describe lo que ve como comprende, sin ornamentos de estilo ni divagaciones«, und regt eine mustergültige spanische Ausgabe an. Dies geschieht denn auch im Jahre 1903; die Junta de Historia y Numismática Americana zu Buenos Aires gab sie als ersten Band ihrer Veröffentlichungen in wundervoller Ausstattung heraus, reichlich kommentiert und beleuchtet von Lafone Quevedo; befriedigt schreibt dieser am Schlusse seiner Arbeit: »Se ha llegado al fin de la tarea .... si nos faltase nuestro Ulrico Fabro, ello dejaría un vacío irreparable entre las crónicas de su época«.
Ja, Schmidels Wertschätzung geht in Argentinien noch weiter. Im Jahre 1906 legte der argentinische Statistiker Carrasco der schon genannten Junta den Entwurf zu einem Wettbewerbe für ein Denkmal vor, das den Gründern der Stadt Buenos Aires gewidmet werden sollte. Auf der Westseite sollte Schmidels Medaillonbildnis eingelassen sein mit der Überschrift: »A la memoria de Ulrich Schmidel, Primer historiador del Rio de la Plata, 1535 bis 1555.« Wenn auch der Plan damals nicht zur Ausführung gelangte, so ist er doch für Schmidels Wertschätzung in argentinischen Kreisen bezeichnend.
Verfasser dieser Broschüre hat als Titelbild jene »Contrafactur Ulrich Schmidels« wiedergegeben, welche sich in der lateinischen Ausgabe, veranstaltet von Hulsius im Jahre 1599, findet; desgleichen hat er im Texte die alten Stiche jener Ausgabe reproduziert; obgleich nur als Buchschmuck bestimmt, versetzen sie in den Geist jener Zeiten, namentlich wenn man den deutschen Originaltext liest, wie er nun durch Mondschein und Langmantel zugänglich gemacht und auf allen größeren Bibliotheken zu finden ist.