Die eine Stimme erkannte ich als die des Bootsführers Israel Hands, des einstigen Kanoniers des Kapitän Flint. Die andere gehörte natürlich meinem Freund mit der roten Nachtmütze.

Die beiden waren offenbar arg betrunken und tranken auch jetzt weiter, denn während ich zuhörte, öffnete einer von ihnen mit einem Gröhlen das Heckfenster und warf einen Gegenstand hinaus, den ich sicherlich mit Recht für eine leere Flasche hielt. Doch waren sie nicht nur betrunken sondern auch in furchtbarer Wut. Die Flüche flogen wie Hagelkörner und von Zeit zu Zeit entstand ein so wüster Lärm, daß ich sicher war, die Sache würde mit Schlägen enden. Doch immer wieder legte sich der Streit, die Stimmen wurden ein wenig gedämpfter bis zum nächsten Höhepunkt, der wieder ohne Resultat abklang.

Ich konnte den Schein des großen Wachtfeuers am Ufer durch die Bäume an der Küste hell herüberleuchten sehen. Einer sang ein eintöniges, altes Seemannslied mit einem trillernden Refrain am Ende jedes Verses, doch gab es anscheinend überhaupt kein Ende als das der Geduld des Sängers. Ich hatte es auf unserer Reise wiederholt gehört und erinnerte mich zweier Verse daraus:

„Mit fünfundsiebzig die Reise begann,
Zurück kam nur ein einziger Mann.“

Ich fand, daß es ein zu schmerzlich passendes Lied für eine Gesellschaft war, die am selben Morgen so grausame Verluste erlitten hatte; doch waren freilich, wie ich sah, alle diese Freibeuter so gefühllos wie das Meer, auf dem sie segelten.

Endlich kam die Brise. Der Schooner neigte sich seitwärts und kam in der Dunkelheit näher. Ich fühlte wiederum das Ankertau schlaffer werden und schnitt mit einem guten, festen Schnitt die letzten Fasern durch.

Die Brise bewegte das Fischerboot nur wenig und ich wurde fast augenblicklich gegen den Bug der Hispaniola getrieben. Gleichzeitig begann sich der Schooner zu drehen und langsam gegen den Strom zu rollen.

Ich arbeitete wie ein Teufel, denn ich erwartete jeden Augenblick versenkt zu werden. Und da ich herausgefunden hatte, daß ich das Fischerboot nicht gerade wegbekommen konnte, ruderte ich es umgekehrt. Endlich war ich von meinem gefährlichen Nachbar befreit und eben als ich den letzten Stoß tat, bekam ich zufällig einen leichten Strick in die Hand, der hinten über Bord hing und packte ihn sofort.

Warum ich das tat, ist kaum zu erklären. Es geschah zuerst aus bloßem Instinkt. Doch als ich ihn erst gepackt hatte und sah, daß er fest hielt, bekam meine Neugier die Oberhand und ich beschloß einen Blick durch das Kabinenfenster zu werfen. Ich zog mich an dem Strick hinauf und als ich mich nahe genug glaubte, erhob ich mich, der unerhörten Gefahr nicht achtend, in halber Körperhöhe und konnte nun das Dach und einen Teil des Inneren der Kabine überblicken.

Um diese Zeit glitt der Schooner mit seinem winzigen Begleiter schon ziemlich rasch durch das Wasser und wir kamen in die Nähe des Lagerfeuers. Das Schiff sprach laut, wie die Seeleute sagen, es wälzte sich mit fortwährendem Geplätscher über die unendlichen Wellen und ehe ich durch das Fenster hineinblicken konnte war es mir unverständlich, wieso die Wachen nicht aufgeschreckt worden waren. Doch war der eine Blick, den ich von meinem wackligen Boot aus wagte, hinreichend, um alles zu verstehen, denn ich sah Hands und seinen Gefährten in tödlichem Ringen, einer die Hand an der Kehle des anderen, wütend ineinander verschlungen.