Ich fiel wieder auf meinen kleinen Sitz zurück und wirklich gerade noch zur rechten Zeit, denn ich war fast über Bord geflogen. Ich konnte im Augenblick nichts sehen als diese beiden wild geröteten Gesichter wie sie unter der rauchenden Lampe gegeneinander schwankten und schloß die Augen, um sie wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Die endlose Ballade war schließlich doch zu einem Abschluß gekommen und die ganze übrige Gesellschaft beim Lagerfeuer sang den Schlußchor, den ich so oft gehört hatte:

„Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste,
Jo-ho-ho und ein Fläschchen Rum,
Schnaps stand stets auf der Höllenfahrtsliste
Jo-ho-ho und ein Fläschchen Rum.“

Während ich darüber nachsann, wie doch Schnaps in diesem Augenblick in der Kabine der Hispaniola zur Höllenfahrt vorbereitete, wurde ich durch einen plötzlichen Ruck des Fischerbootes überrascht. Gleichzeitig schwankte es und schien seinen Kurs zu ändern während seine Schnelligkeit befremdlich zunahm.

Ich öffnete sofort die Augen. Rund um mich schoben sich kleine Wellen, deren Kämme aufleuchteten. Die Hispaniola, in deren Kielwasser ich immer noch herumgewirbelt wurde, schien in ihrem Kurse zu schwanken und ich sah ihre Spiere durch die finstere Nacht hin und hergehen, und als ich näher zusah, sah ich, daß sie nach Süden zog.

Ich blickte zurück und das Herz schlug mir gegen die Rippen. Dort gerade hinter mir glühte der Schein des Lagerfeuers. Die Strömung hatte sich im rechten Winkel gedreht und hatte das große Schiff um das kleine auf den Wellen tanzende Fischerboot herumgefegt. Schneller und schneller, immer höher gingen die Wellen, immer lauter rollten sie es durch die Meerenge in die offene See.

Plötzlich drehte sich der Schooner vor mir mit einem heftigen Ruck um etwa zwanzig Grade und fast im selben Augenblick erschollen Schreie vom Bord des Schiffes. Ich hörte wie die Leiter der Lukenkappe von stampfenden Füßen erzitterte und wußte nun, daß die beiden Trunkenbolde endlich in ihrem Kampf innehielten und das Unheil zu begreifen begannen.

Ich legte mich flach auf den Boden des jämmerlichen, kleinen Schiffleins und empfahl meine Seele ihrem Schöpfer. Es schien sicher, daß wir, wenn wir aus der Meerenge hinauskämen, in die Gewalt der tobenden Wellen kommen müßten, wo alle meine Sorgen ihr rasches Ende finden würden. Und trotzdem ich vielleicht den Tod ertragen konnte, dem nahenden Geschick entgegenzuschauen war mir unerträglich.

Ich muß stundenlang so dagelegen sein, fortwährend von den Wellen auf und ab geworfen, manchmal vom sprühenden Seeschaum bespritzt und immerfort in Erwartung des Todes. Allmählich überwältigte mich die Müdigkeit. Betäubung und gelegentlich Erstarrung überfielen mich inmitten all dieser Schrecknisse, bis mich endlich der Schlaf in die Arme nahm. Und da lag ich nun in meinem von den Wogen herumgeworfenen Fischerboot und träumte von der Heimat und dem alten „Admiral Benbow“.