„Dieser Mann da,“ er nickte schwach zu der Leiche hinüber — „O’Brien hieß er, ein widerlicher Irländer —, dieser Mann und ich haben das Segel aufgezogen und wollten zurücksegeln. Na, der Mann ist tot, so tot wie ein Schiffsrumpf. Wer jetzt das Schiff segeln soll, weiß ich nicht. Wenn ich Euch dabei nicht helfe, seid Ihr wohl nicht der Mann dazu, kommt mir vor. Ich sag Euch was: Ihr gebt mir zu essen und zu trinken und einen alten Schal oder ein Sacktüchel, um meine Wunde zu verbinden, und dafür sage ich Euch, wie man segeln muß. Ich glaube das ist ein ehrlicher Handel.“
„Ich will nicht zurück zu Kapitän Kidds Ankerplatz,“ sagte ich, „ich will in die Nordbucht und dort ruhig vor Anker gehen.“
„Ja natürlich wollt Ihr das,“ rief er, „ich bin doch schließlich kein so verteufelter Tölpel. Ich seh doch, was vorgeht, nicht wahr? Ich hab meinen Wurf probiert und verloren und Ihr habt mir den Wind abgefangen. Nach der Nordbucht? Aber ich hab doch keine Wahl! Ich würde Euch auch helfen die Hispaniola zum Hinrichtungsdock zu segeln, beim Teufel, das würd ich!“
Das schien mir ganz vernünftig. Wir schlossen sofort das Geschäft ab. Nach drei Minuten segelte die Hispaniola längs der Küste der Schatzinsel leicht vor dem Wind und ich hatte begründete Hoffnung die nördliche Spitze vor Mittag zu erreichen und bei der Nordbucht noch vor hohem Wasserstand zu sein, so daß wir sicher ankern und dann warten konnten, bis uns die zurückgehende Flut die Möglichkeit gab an Land zu gehen.
Dann band ich die Ruderpinne an und ging zu meinem eigenen Koffer, aus dem ich ein weiches, seidenes Tuch meiner Mutter herausnahm. Damit verband Hands mit meiner Hilfe die große, blutende Stichwunde, die er in den Schenkel bekommen hatte und nachdem er etwas gegessen und noch ein paar Schluck Branntwein genommen hatte fing er an sich sichtlich wieder aufzurichten, sprach lauter und deutlicher und war überhaupt ein anderer Mensch geworden.
Die Brise war uns sehr günstig. Wir glitten wie ein Vogel vor ihr her, die Küste flog vorüber und die Aussicht wechselte jeden Augenblick. Bald hatten wir die Hochfläche passiert und fuhren an niedrigem Sandland vorbei, das mit Zwergfichten spärlich bestanden war und dann wendeten wir uns um die Ecke des Felsenberges, der die Insel im Norden begrenzt.
Ich war in sehr gehobener Stimmung über mein neues Kommando und entzückt von dem schönen, sonnigen Wetter und den verschiedenartigen Ausblicken auf die Küste. Ich hatte nun genug Trinkwasser und gute Sachen zum Essen und mein Gewissen, das wegen meiner Flucht sehr unruhig gewesen war, war jetzt durch die große Eroberung, die ich gemacht hatte, beruhigt. Mir blieb nichts zu wünschen übrig, nur die Augen des Bootsführers, die mich spöttisch verfolgten und das sonderbare Lächeln, das fortwährend auf seinem Gesicht spielte, störten mich. Es war ein Lächeln, das einen Zug von Schmerz und Schwäche hatte — das Lächeln eines abgehärmten, alten Mannes —, aber ein Körnchen Spott, ein Schatten von Verrat lag dennoch in seinem Ausdruck, wie er mich da bei meiner Arbeit listig beobachtete, beobachtete, beobachtete.