„Was vorgeht?“ wiederholte einer der Freibeuter mit einem tiefen Knurren, „ja, da wären wir selber froh, wenn wir das wüßten!“

„Du, halt gefälligst den Schnabel bis man mit dir spricht, mein Freund“, schrie Silver wild hinüber. Und dann fuhr er in dem früheren, süßlichen Tone fort: „Gestern früh, Herr Hawkins,“ sagte er, „kommt auf einmal Doktor Livesay mit einer weißen Flagge herunter. Sagt er: ‚Kapitän Silver, Ihr seid geschnapst. Das Schiff ist weg.‘ Nun mag sein, wir haben ein Glas zuviel getrunken und ein Lied gesungen, um’s leichter zu machen, ich sage nicht nein. Und wahrscheinlich hat niemand von uns Wache gehalten. Jetzt schauten wir hinaus und beim Teufel das alte Schiff war weg. Nun, wir haben wie die Narren dreingeschaut, und ich am närrischsten. ‚Also,‘ sagt der Doktor, ‚wir werden verhandeln.‘ Wir verhandelten, wir zwei, nun und wir kamen überein: die Vorräte, der Branntwein, das Blockhaus, das Brennholz, das Ihr so vorsorglich geschnitten habt, kurz, die die ganze verfluchte Sache gehört uns. Und jetzt sind sie weg, wo, weiß ich nicht.“

Er zog wieder still an seiner Pfeife.

„Und wenn du dir vielleicht in den Schädel setzt,“ fuhr er fort, „daß du mit in den Vertrag eingeschlossen bist, so irrst du dich sehr. ‚Wieviele von euch wollen fort?‘ war mein letztes Wort. ‚Vier‘, sagt er — vier, einer davon verwundet. ‚Wo der verfluchte Bub’ ist,‘ sagt er, ‚das weiß ich nicht und kümmere mich auch nicht darum. Wir haben so ziemlich genug von ihm.‘ Das waren seine Worte.“

„Ist das alles?“

„Nun, das ist zum mindesten alles, was ich dir zu sagen habe, mein Sohn“, erwiderte Silver.

„Und nun soll ich wählen?“

„Und nun sollst du wählen, freilich“, sagte Silver.

„Nun,“ sagte ich, „ich bin kein Esel und weiß ganz gut, was ich zu erwarten habe. Und wenn’s das ärgste ist, es macht mir nicht viel. Ich habe schon zu viele Leute sterben sehen in diesen letzten Tagen. Aber eins will ich Euch doch noch sagen“, fuhr ich erregt fort: „Erstens: Ihr seid bös’ dran: Das Schiff verloren, der Schatz beim Teufel, Eure Leute tot und Eure ganze Sache schiefgegangen. Und wenn Ihr wissen wollt, wer daran schuld ist — ich! Ich war im Äpfelfaß an dem Abend, als wir Land sichteten und ich habe jedes Wort gehört, was Ihr, John, und Ihr, Dick Johnson, und Hands, der nun am Grund des Meeres liegt, gesprochen habt und ich habe es noch in derselben Stunde gemeldet. Ich habe das Ankertau des Schooners durchschnitten, ich habe die Männer an Bord getötet und ich habe die Hispaniola dorthin gebracht, wo keiner von euch sie wieder sehen wird. Keiner! Das Lachen ist auf meiner Seite. Ich habe vom ersten Moment an diese Sache geführt und ich hab’ nicht mehr Angst vor Euch als vor einer Fliege. Tötet mich, wenn Ihr wollt, oder laßt mich leben. Aber eins will ich noch sagen: Wenn Ihr mich verschont, soll alles Vergangene vergessen sein und wenn Ihr wegen Freibeuterei vor Gericht steht, werde ich alles tun, um Euch herauszureißen. Es ist an Euch, zu wählen. Ihr könnt noch einen Menschen umbringen und Euch damit nichts nützen oder Ihr könnt Euch einen Zeugen aufsparen, der imstande wäre, Euch vor dem Galgen zu retten.“