„Leih’ mir Feuer, Dick“, sagte er, und dann, als die Pfeife gut brannte: „Das ist genug, Junge, stecke es ins Holz zurück — und Ihr, meine Herren, braucht Euch nicht zu stören wegen Herrn Hawkins, er wird Euch entschuldigen, nicht wahr? Und nun, Jim“ — und dabei stopfte er sich die Pfeife, „da bist du nun, und eine nette Überraschung für den armen, alten John. Ich hab’ sofort gesehen, daß du ein geriebener bist als ich dich zum erstenmal sah, aber das jetzt schlägt dem Faß den Boden aus, meiner Seel’.“
Zu all dem schwieg ich wie man sich denken kann säuberlich still. Sie hatten mich mit dem Rücken gegen die Mauer gestellt, und da stand ich nun und schaute Silver ins Gesicht, dem äußeren Anschein nach ganz mutig, hoffe ich, doch schwarze Verzweiflung im Herzen.
Silver tat mit großer Seelenruhe ein paar Züge aus seiner Pfeife und fuhr dann fort:
„Also Jim, da du nun schon hier bist, will ich dir sagen, was ich mir denke. Ich habe dich immer gern gehabt, weil du ein gescheiter Junge bist und mir aufs Haar ähnlich, als ich noch jung und hübsch war.
Ich hab’ es dir immer gegönnt, dich hervorzutun und als Gentleman zu sterben, und nun, mein Hühnchen, ist es so weit. Kapitän Smollett ist ein guter Seemann, das gebe ich ohne weiteres zu, aber streng auf Disziplin erpicht. ‚Pflicht ist Pflicht‘, sagt er und er hat recht, ihm mußt du also aus dem Wege gehen. Aber sogar der Doktor ist wütend auf dich — ‚undankbarer Taugenichts‘ hat er gesagt, und kurz und gut, du kannst zu deinen eigenen Leuten nicht zurück, denn sie wollen dich nicht, und wenn du nicht eine dritte Schiffsgesellschaft ausrüsten willst, die ganz allein aus dir bestehen soll — was ein wenig langweilig wäre —, so mußt du eben beim Kapitän Silver bleiben.“
So weit, so gut. Meine Freunde lebten also noch alle und obwohl ich teilweise Silvers Behauptung glaubte, daß sie wegen meiner Flucht gegen mich aufgebracht wären, so war ich doch durch das Gehörte eher erleichtert als betrübt.
„Ich will nichts darüber sagen, daß du in unseren Händen bist,“ fuhr Silver fort, „aber wahr ist es ja, sicherlich. Ich bin für freie Aussprache, denn beim Drohen kommt nichts heraus. Wenn du den Dienst bei uns magst, gut, dann tritt ein. Und wenn nicht, Jim, dann kannst du ruhig nein sagen, Schiffskamerad. Ich glaube, ehrlicher kann kein sterblicher Seemann reden, zum Teufel!“
„Soll ich also antworten?“ fragte ich mit zitternder Stimme. Während dieser höhnischen Reden hatte ich die Drohung des Todes, der über mir hing, wohl zu fühlen bekommen und meine Wangen brannten und das Herz schlug mir schmerzvoll in der Brust.
„Junge,“ sagte Silver, „kein Mensch zwingt dich. Überleg’ dir die Sache. Keiner von uns wird dich zur Eile antreiben, Kamerad, die Zeit vergeht so angenehm in deiner Gesellschaft.“
„Nun,“ sagte ich, etwas kühner werdend, „wenn ich wählen soll, so erkläre ich, daß ich ein Recht habe, zu wissen, was eigentlich vorgeht und warum ihr hier seid und wo meine Freunde sind.“