„Das war Nummer eins“, rief der Beschuldigte und wischte sich den Schweiß von der Stirne, denn er hatte mit solcher Heftigkeit gesprochen, daß das Haus zitterte. „Nun, ich gebe euch mein Wort darauf, ich hab’ es satt, mit euch zu reden. Ihr habt weder Verstand noch Gedächtnis, und was euren Eltern eingefallen ist, daß sie euch Seeleute werden ließen, das verstehe ich nicht. Seeleute?! Glücksritter?! Schneider seid ihr!“
„Sprecht weiter, John“, sagte Morgan. „Sprecht zu den anderen.“
„Ach, die anderen!“ erwiderte John. „Das ist wahrhaftig eine nette Gesellschaft! Ihr sagt, diese Fahrt ist verpatzt. Ja, Donnerwetter noch einmal, wenn Ihr nur verstehen würdet, wie arg verpatzt sie ist! Wir sind dem Galgen so nahe, daß mir der Hals steif wird, wenn ich an ihn denke. Ihr habt sie vielleicht schon gesehen, in Reihen aufgehängt, wenn die Vögel an ihnen picken und die Seeleute auf sie zeigen, wenn sie vorübergehen. ‚Wer ist das?‘ fragt einer. ‚Das? das ist John Silver, ich hab’ ihn gut gekannt‘, sagt ein anderer, und Ihr könnt die Ketten rasseln hören, während Ihr zum nächsten kommt. Soweit halten wir jetzt, und das haben wir denen zu verdanken, dem da und Hands und Anderson und den anderen Kerlen unter euch, die uns ins Verderben getrieben haben. Und wenn ihr wissen wollt, was mit Nummer vier ist, mit dem Jungen da? Ja, zum Teufel, ist er denn nicht unsere Geisel? Werden wir eine Geisel verschwenden? Nein, das werden wir nicht. Wer weiß, ob nicht gerade sie unsere letzte Rettung werden wird. Ich soll diesen Jungen töten? Nein, Kameraden, das werde ich nicht tun, so dumm bin ich nicht. Und über Punkt drei, ja da wäre eine Menge zu sagen. Ist es denn gar nichts, wenn ein richtiger, gelernter Doktor jeden Tag zu euch kommt, euch besuchen — Euch, John, mit Eurer Kopfwunde — und Euch, Georg Merry, den das Fieber noch vor sechs Stunden gebeutelt hat daß Eure Augen davon noch immer gelb sind wie eine Zitronenschale? Und wißt ihr vielleicht nicht, daß ein Hilfsschiff ausgerüstet wird, und es dürfte gar nicht mehr lange dauern, dann ist es da und wir werden schon sehen, wer froh sein wird, dann eine Geisel zu haben! Und was Nummer zwei anlangt, und warum ich mit denen einen Handel abschloß? Ja, seid denn Ihr nicht auf den Knien gekrochen gekommen, um mich dazuzubringen? So niedergeschlagen wart ihr — und ihr wäret auch Hungers gestorben, wenn ich es nicht gemacht hätte — aber das ist noch gar nichts, da schaut her — darum hab’ ich es gemacht!“
Und er warf ein Blatt Papier auf den Boden, das ich sofort erkannte — es war die Karte auf gelbem Papier, mit den drei roten Kreuzen, die ich in der Wachsleinwand am Boden des Koffers von Billy Bones gefunden hatte. Warum sie ihm der Doktor gegeben hatte, das allerdings ging über meinen Verstand.
Doch während mir das Auftauchen der Karte unverständlich war, schien es den Meuterern einfach unglaublich. Sie sprangen auf die Karte los wie Katzen auf eine Maus. Sie ging von Hand zu Hand, einer riß sie dem anderen weg und beim Anhören der Flüche, Ausrufe und des kindischen Gelächters, mit welchem sie ihr Studium begleiteten, hätte man glauben können, daß sie nicht nur das Gold schon in der Hand hätten sondern damit auch schon in Sicherheit auf hoher See seien.
„Ja,“ sagte einer, „das ist schon Flints Hand, ganz gewiß. J. F. und ein Strich darunter mit einem Haken dran, so hat er sich unterschrieben.“
„Sehr nett“, sagte Georg. „Aber wie sollen wir damit fortkommen — ohne Schiff?“
Silver sprang plötzlich auf, und indem er sich mit einer Hand an die Wand stützte, rief er: „Ich warne Euch, Georg! Noch ein Wort von diesem Gespött, und ich schlag’ Euch nieder! Wie? Ja, wie soll ich das wissen? Ihr hättet mir das sagen sollen, Ihr und die anderen, bevor Ihr mir meinen Schooner durch Eure Einmischung verloren habt, verfluchte Kerle! Aber natürlich, ihr wißt es nicht, ihr habt den Verstand einer Küchenschabe. Aber höflich könnt Ihr reden, Georg Merry, und höflich werdet Ihr sein von nun ab, da könnt Ihr Gift daraufnehmen!“
„So gehört es sich“, sagte der alte Morgan.
„Gehören? Das will ich meinen“, sagte der Schiffskoch. „Ihr habt das Schiff verloren, ich habe den Schatz gefunden, wer von uns beiden ist der bessere Mann? Aber hol’s der Teufel, ich trete zurück! Wählt zum Kapitän wen ihr wollt, ich hab’ genug davon.“