„Silver!“ riefen sie. „Der Bratrost soll leben, unser Bratrost muß Kapitän sein!“

„Aus diesem Loch bläst es?“ rief der Koch. „Georg, mein Freund, Ihr werdet auf die nächste Wahl warten müssen. Und seid froh, daß ich nicht rachsüchtig bin; das war nie meine Art. — Und was ist’s nun mit dem schwarzen Fleck, Kameraden? Er taugt nicht viel, was? Dick hat sein Glück verspielt und seine Bibel ruiniert und sonst ist nichts dabei herausgekommen.“

„Es wird doch genügen, wenn ich die Bibel küsse, nicht wahr?“ murmelte Dick, der sichtlich unter dem Fluche litt, den er da auf sich geladen hatte.

„Eine Bibel, aus der etwas herausgerissen worden ist?“ erwiderte Silver spöttisch. „Nein, die hat jetzt nicht mehr Kraft als irgendein Balladenbuch.“

„Soviel doch?“ rief Dick förmlich erfreut, „nun, damit ist sie ja doch was wert.“

„Da, Jim — da habt Ihr was Interessantes zum Anschauen“, sagte Silver, indem er mir das Papier zuschob.

Es war ein rundes Stück Papier, ungefähr in der Größe einer Krone. Auf der einen Seite war es leer, denn es war das letzte Blatt; auf der anderen Seite standen ein paar Verse aus der Offenbarung, und zwar Worte, die mich betroffen machten: „Draußen stehen Hunde und Mörder.“ Die bedruckte Seite war mit Holzasche geschwärzt, an der ich mir die Finger beschmutzte, und auf der leeren Seite war ebenfalls mit Holzasche das eine Wort „Abgesetzt“ geschrieben. Ich habe mir dieses Dokument als Kuriosität bis heute aufbewahrt, aber man sieht kein Zeichen einer Schrift mehr darauf, nur einen einzigen Ritzer, wie man ihn mit dem Daumennagel hervorbringen kann.

Damit waren die Ereignisse dieser Nacht zu Ende, und nachdem wir miteinander eine Runde getrunken hatten, legten wir uns schlafen. Äußerlich bekundete Silver seine Rachsucht nur so weit, daß er Georg als Wache aufstellte und ihn mit dem Tode bedrohte, wenn er sich unzuverlässig erweisen sollte.

Lange konnte ich kein Auge schließen, denn ich hatte, weiß Gott, genug Stoff zum Nachdenken. Ich dachte an den Mann, den ich an diesem Nachmittage getötet hatte, an meine höchst gefährliche Lage und vor allem an das merkwürdige Spiel, das ich Silver jetzt spielen sah: wie er mit einer Hand die Meuterer zusammenhielt und mit der anderen nach jedem möglichen und unmöglichen Mittel griff, um sein elendes Leben zu retten. Er selbst schlief friedlich und schnarchte laut. Trotz seiner Schlechtigkeit tat er mir leid, wenn ich an die dunklen Gefahren dachte, von denen er umgeben war und an den schmachvollen Galgentod, der ihn erwartete.